nd-aktuell.de / 18.02.2016 / Politik

Thüringen Rückkehrer mit Liebe zum Landleben?

Nur zirka 6 Prozent der Thüringer, die ihr Bundesland für die Arbeitssuche verließen, kommen zurück / Rückkehrende bevorzugen ländliche Gegenden / Fachkräftebedarf kann nicht mit Zurückziehenden gedeckt werden

In den Jahren nach der Wende sahen viele Thüringer nur in den alten Bundesländern eine berufliche Perspektive für sich. Und allen Hoffnungen zum Trotz: Wer einmal gegangen ist, kommt nur selten zurück.

Erfurt. Nur wenige Menschen, die Thüringen wegen eines Jobs verlassen haben, kommen nach einer Studie zurück. So hätten zwischen 1999 und 2012 etwa 56 000 Thüringer ihre Heimat berufsbedingt verlassen, heißt es in einer Papier des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das am Donnerstag in Weimar vorgestellt wurde. Nur etwa 9000 von ihnen kehrten in dieser Zeit zurück. Das IAB hat diese Wanderungsbewegungen erstmals genauer untersucht. Nicht erfasst in der Studie sind Menschen, die als Arbeitslose den Freistaat verließen. Auch zu der Zeit zwischen der Wende und 1999 gibt es keine Angaben, weil es an Daten mangelt.

Für die Fachkräftesicherung in Thüringen spiele die Hoffnung, Abgewanderte zur Rückkehr bewegen zu können, ausweislich der Zahlen nur eine sehr ungeordnete Rolle, sagte der Chef der Arbeitsagenturen in Thüringen, Kay Senius. Zwar sei jeder Rückkehrer ein gutes politisches Signal. »Image ist wichtig«, betonte Senius. Um ihre Nachfrage nach Fachkräften zu decken, müssten die Unternehmen im Freistaat aber vorwiegend »andere Hebel« bedienen. Als Beispiel nannte er die Ausbildung von jungen Menschen, die Weiterbildung der Beschäftigten und auch Zuwanderer.

Eine Sprecherin des Verbands der Wirtschaft Thüringens sagt, sie teile die Einschätzung von Senius. Es sei zwar »ein sehr gutes Signal«, dass es überhaupt Menschen gebe, die in den Freistaat zurückkehrten, nachdem sie ihn berufsbedingt verlassen hatten. »Das zeigt, das Thüringen als Wirtschaftsstandort attraktiv ist.« Nötig seien aber verschiedene Maßnahmen, um den Fachkräftebedarf der Betriebe zu decken.

Ausweislich der IAB-Studie sind vor allem ehemals nach Bayern und Hessen ausgewanderte Thüringer in den Freistaat zurückgekehrt. Diese Menschen gingen vor allem in die ländlichen Gebiete im Süden, Westen und Norden des Freistaats. Die Mitte und der Osten des Landes profitierten dagegen kaum von diesen Wanderungsbewegungen. Als Rückkehrer im Sinn der Studie gilt, wer seinen Wohnort in der Vergangenheit aus Thüringen in die alten Bundesländer und dann wieder zurück verlagert hat. nd/dpa