nd-aktuell.de / 02.07.2016 / Wissen / Seite 26

Bewässerung in Südostasien wirkt bis nach Ostafrika

Klimastudie untersucht Wechselwirkung zwischen Nassreisanbau und der Stärke des Monsuns. Von Michael Lenz

Michael Lenz

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen haben Menschen ihre Umwelt manipuliert. Eingriffe in die Natur haben aber meist nicht nur den gewünschten Effekt, sondern bergen auch unbeabsichtigte Risiken und Nebenwirkungen.

Das ist schon bei der alten Kulturtechnik des Bewässerns so. Man denke nur an versalzte Böden im Nahen Osten. Während in trockenen Regionen die künstliche Bewässerung oft die einzige Möglichkeit darstellt, um Landwirtschaft zu betreiben, werden in feucht-gemäßigten Klimabereichen die landwirtschaftlichen Flächen zusätzlich bewässert.

Die Reisbauern in Südostasien sind Meister in der Stauung von Wasser auf Flächen. Die Effekte dieser Bewässerungskultur auf das lokale Klima wurde schon mannigfach wissenschaftlich untersucht. Wenig bekannt aber ist über deren globalen Effekt. Forscher des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg zeigen nun zum ersten Mal, dass die Bewässerung in Südostasien über Verdunstungsprozesse auch das Klima in entfernt liegenden Regionen beeinflusst.

»Die Auswirkungen der Bewässerung in Asien schaffen sogar den interkontinentalen Sprung über das Meer nach Afrika. Bis zu 40 Prozent des heutigen Niederschlags in bestimmten ariden Gebieten Ostafrikas stehen in Zusammenhang mit der Bewässerungslandwirtschaft in Asien«, heißt es in der im Fachblatt »Geophysical Research Letters« veröffentlichten Studie, für die die Max-Planck-Forscher ihr »Erdsystemmodell« nutzten.

Die Verdunstung von Wasser über Wasseroberflächen und Böden sowie aus den Blättern der Pflanzen verändert die Winde und Feuchteströme so, dass auch die Bauern in den trockenen Regionen Ostafrikas von der Bewässerung in Südostasien profitieren. »Unsere Studie deutet genau darauf hin. Da es sich aber lediglich um eine Studie mit nur einem Modell handelt, ist dies mit Vorsicht zu genießen«, betont Philipp de Vrese, einer der Autoren der Studie, gegenüber »nd«.

Die Studie erklärt den Mechanismus so: Der Monsun wird von dem Temperaturunterschied zwischen dem warmen Land und dem kälteren Ozean beeinflusst. Dank der Bewässerung wird aber ein Teil der an der Oberfläche vorhandenen Energie im Verdunstungsprozess verbraucht, was wiederum die bodennahen Temperaturen reduziert. »Reduziert man also den Temperaturkontrast zwischen Land und Ozean, wird der Monsunwind abgeschwächt und weniger feuchte Luft ins Landesinnere transportiert«, erklärt de Vrese.

Die Rolle der Bewässerungslandwirtschaft im Klimawandel ist laut de Vrese »noch nicht wirklich gut untersucht«. Die wenigen Studien deuteten darauf hin, dass der Beitrag auf der »globalen Skala eher unbedeutend« sei. Die Bewässerung könne aber lokal das Potenzial zur Abschwächung des Klimawandels haben. Für »robustere Aussagen« seien aber weitere Studien notwendig, betont de Vrese.

Die Auswirkungen der Umverteilung von Wasser auf den Wasserkreislauf und den Energiehaushalt der Landoberfläche, so das Fazit der Studie, werden ihrerseits durch Klimaänderungen und abnehmende Frischwasserressourcen beeinflusst. »Es ist wahrscheinlich, dass ein zukünftiger Ausbau oder ein Rückgang der bewässerten Gebiete - durch die steigende Lebensmittelnachfrage oder abnehmende Süßwasserressourcen - auch den Niederschlag und die Temperaturen anderer Gebiete, die vom Verursachungsort entfernt liegen, beeinflussen wird«, folgern die Hamburger Klimaforscher.