Das selbstverwaltete Zentrum ist seit den 1970er Jahren eine wichtige Organisationsform linker Politik und Subkultur. In der sozialliberalen Ära zunächst staatlich gefördert, wurden leerstehende Räume später einfach angeeignet und besetzt. Legendär waren die Züricher Auseinandersetzungen 1980, als erfolgreich das Autonome Jugendzentrum AJZ erstritten wurde. In Berlin entstand Anfang der 80er Jahre der Mehringhof mit selbstverwalteter Schule, Kneipe, Veranstaltungsräumen und Buchladen - bis heute eine wichtige linke Adresse in der Stadt. Das Nürnberger KOMM machte 1981 bundesweit Schlagzeilen, als nach einer Veranstaltung über Hausbesetzungen in Amsterdam eine spontane Scherbendemo durch die Innenstadt zog und hinterher das KOMM von der Polizei umstellt wurde. 141 Personen wurden während der »Massenverhaftung von Nürnberg« festgenommen und bis zu zwei Wochen inhaftiert, was damals bundesweit zu Solidaritätsdemonstrationen führte. Die italienische Variante, die Centri Sociali, spielt in den aktuellen internationalen Krisenprotestbündnissen eine wichtige Rolle. Im Zuge der Gentrifizierung brechen jedoch immer mehr selbstverwaltete Räume weg, weswegen der Kampf um soziale Zentren weiter auf der Agenda steht. schmi
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1018533.zentrum.html