nd-aktuell.de / 30.09.2016 / Politik / Seite 6

Aus nach einem Jahr

Flüchtlingsambulanz in Neumünster muss schließen

Dieter Hanisch

Neumünster. Vor einem Jahr wurde sie noch gefeiert als bundesweit einmaliges Vorzeigeprojekt, jetzt steht sie vor dem Aus: die Flüchtlingsambulanz des Friedrich-Ebert-Krankenhauses (FEK) im schleswig-holsteinischen Neumünster. »Eine verpasste Chance«, ist Ivo Markus Heer, ärztlicher Direktor am FEK, traurig. Denn nun kommt die gut angenommene Ambulanzeinrichtung für Flüchtlinge, in der geflüchtete Ärzte aus Syrien einen Großteil der Behandlungen mit erledigt haben, durch bürokratische Vorgaben ins Straucheln. Ab dem 1. Oktober müssen alle Flüchtlinge aus Neumünster, wo sich die zentrale Erstaufnahmestelle des Landes befindet, in dringenden Fällen in der ohnehin überlaufenen FEK-Notaufnahme mitversorgt werden - ein Zustand, wie es ihn bereits vor dem Start der bundesweit einzigen Flüchtlingsambulanz gab.

Und warum das Ganze? Zwei von vier syrischen Ärzten haben ihren Arbeitsvertrag gekündigt, weil sie ab 1. Januar über die Arbeitsagentur einen neunmonatigen Vorbereitungskurs mit anschließender Prüfung als Voraussetzung für ihre Approbation besuchen müssen. Bedingung hierfür ist aber eine vor Kursbeginn mindestens drei Monate dauernde Arbeitslosigkeit. Ersatzweise wurde vom Landesamt für soziale Dienste von den beiden gefordert, Stundennachweise aus ihrem Medizinstudium an der Universität in Aleppo beizubringen. Die syrische Geheimpolizei blockierte aber das Ansinnen und verlangte die Rückkehr der Mediziner.

Mit zwei von vier Flüchtlingsärzten sieht das FEK sich aber nicht mehr in der Lage, das so hoffnungsvoll gestartete Projekt fortzuführen. Besonders in Sachen Sprachkompetenz war die Flüchtlingsambulanz mit syrischer Beteiligung eine spürbare Erleichterung. Heer bescheinigt den beiden ausscheidenden Assistenzärzten gebührend fachliche Kenntnisse. Er erklärte sich dazu bereit, deren fehlende Erfahrung in verschiedenen FEK-Abteilungen und -Stationen nachholen zu lassen. Das Gesundheitsministerium in Kiel wollte sich darauf allerdings nicht einlassen. Dieter Hanisch