Mit einem Paukenschlag eröffnete die seit 54 Jahren in Bremen ansässige Kellogg Deutschland GmbH diese Woche: Das Unternehmen gab bekannt, in 14 Monaten die Produktion im Bremer Hafen zu schließen und komplett aus Deutschland zu verlagern. Rund 200 Arbeitsplätze werden verloren gehen. Gewerkschaft und die rot-grüne Bremer Regierung zeigten sich vollkommen überrascht, war doch nach fast zweijährigem Gerangel Kellogg seit Jahresanfang die 24-Stunden-Produktion erlaubt.
Lenke Steiner, Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bremer Landtag, warf dem Senat Desinteresse und Rufschädigung vor. Klaus Rainer-Rupp, wirtschaftspolitischer Sprecher der Bremer Linksfraktion, kritisierte das Fehlen der Lebensmittelindustrie in den laufend neuen und immer umfangreicheren Wirtschaftsmasterplänen der Regierung Bremens. Auch Jörg Kastendiek, CDU-Fraktionssprecher für Wirtschaft, kritisierte das zunehmende Verschwinden von Markenprodukten der Lebensmittelbranche aus Bremen.
Tatsächlich hatte das Jahr 2016 bereits mit dem weiteren Rückzug der vor 126 Jahren in Bremen gegründeten Edelschokoladen-Marke Hachez begonnen. Nach einer erneuten Ausgliederung gingen in Bremen fast 90 Arbeitsplätze verloren. Der Großteil der Produktion war schon vor Jahren nach Osteuropa ausgegliedert worden.
Im Juli dann schloss Coca-Cola nach 68 Jahren sein Bremer Abfüllwerk. Ein neues wird in Achim gebaut, einen Steinwurf hinter der niedersächsisch-bremischen Landesgrenze. Rund 100 Arbeitskräfte aus Bremen sollen übernommen werden, gut 220 verlieren ihren Arbeitsplatz.
Mitte September folgte eine Nachricht, die Bremen besonders hart traf: Die vor 109 Jahren im Holzhafen gegründete Firma für koffeinfreien Kaffee, die jetzt zum Konzernriesen Jacobs Douwe Egberts (JDE) gehört, wird geschlossen. Damit gehen 50 Arbeitsplätze am traditionellen Kaffeestandort verloren. Die JDE-Produktion für koffeinfreien Kaffee in Bremen-Hemelingen mit 400 Arbeitskräften soll erhalten bleiben. Koffeinfreier Kaffee war die Erfindung des wegen seiner Affinität zu Hitler umstrittenen Bremers Ludwig Roselius. Unter dem Namen Kaffee Hag wurde die Sorte zu einem weltweit bekannten BremerMarkenzeichen.
Der ansonsten immer fröhliche Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) zeigte sich im Radio-Bremen Magazin »buten un binnen« ziemlich ernst, konnte aber keine Fehler beim Regieren ausmachen. Marken gehörten heutzutage zu globalen Konzernen, deren Entscheidungszentren nicht in Bremen lägen.
Kellogg und JDE argumentierten mit einem Rückgang der Nachfrage, Coca-Cola mit einer Veränderung der Angebotsstruktur. Alle vier betroffenen Standorte befinden sich in sogenannten Mischgebieten für Industrie, Handel, Gastronomie und Wohnen.
Kaffee Hag und Kellogg liegen in City-nahen Hafengebieten, die zur »Überseestadt« umgebaut werden. Gastronomie blüht hier, der Wohnungsbau gedeiht prächtig. Was die dort ansässige Industrie mit Sorge betrachtet: Im Mai verhinderte ein Unternehmenszusammenschluss den Bau eines Bürogebäudes mit Gastronomie am Hafenbecken, weil die Gebietsausweisung nur »störungsunempfindliche« Betriebe zulässt. Würden jedoch mehr innerstädtische Hafengebiete entwidmet, könnte Bremens Wohnungsmisere durch die vom grünen Bausenator Joachim Lohse viel gepriesene Innenverdichtung gelindert werden.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1028501.schluss-mit-frosties-aus-bremen.html