nd-aktuell.de / 26.11.2016 / Kultur / Seite 38

Von Lebenskunst und Lebenskünstlern

Hans-Jürgen Greye stellt Menschen mit bewegenden Geschichten vor

Sabine Neubert

Glück und Glas, wie leicht bricht das, so heißt es. Glas lässt sich kaum wieder zusammenfügen, ein Menschenleben schon, mit Hilfe von Nächsten, Freunden, Therapeuten. Davon erzählt dieses schmale Bändchen, das doch schwergewichtig ist, was den Inhalt betrifft.


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* Hans-Jürgen Greye: Eine blonde Geisha und andere bewegende Geschichten[1]. Menschen aus Mitteldeutschland erzählen. Mitteldeutscher Verlag. 192 S., br., 12,95 €.


Fünfzehn Menschen berichten von ungewöhnlichen Lebenswegen, einschneidenden Erlebnissen, Schicksalsschlägen und Überraschungen. Was sie verbindet: Sie sind mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit gegangen, waren Gäste in der MDR-Fernsehsendung »Unter uns« und hatten dort so Außergewöhnliches zu berichten, dass der Journalist Hans-Jürgen Greye Genaueres wissen, sehen wollte. All diese Menschen aus Magdeburg, Dresden oder Erfurt, aus Erzgebirgs- oder Rhöndörfern sind Überlebenskünstler. Mut kann es machen, wie sie davon erzählen.

Da ist der 52-jährige Uwe Pfotenhauer, Hausmeister am Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Ihn lassen die schrecklichen Ereignisse des 26. April 2002 nie los, als der Schüler Robert Steinhäuser 16 Menschen und anschließend sich selbst erschoss und als er, Pfotenhauer, nachmittags um die Identifizierung der Leichen gebeten wurde. Fünf Jahre lang brauchte er psychotherapeutische Behandlung. Auch der Lokführer Dirk Sporleder bekommt die Bilder eines schweren Eisenbahnunglücks in seinem sächsisch-anhaltinischen Heimatort Hordorf vier Jahre zuvor nur schwer aus dem Kopf. Die erfahrene Psychologin Susanne Preusker wollte in der Strafvollzugsanstalt Straubing eine sozialtherapeutische Station aufbauen und wurde dabei selbst Opfer eines Straftäters. Danach hat sie sich »ein zweites Leben« aufbauen müssen.

Es gibt auch freundlichere Geschichten wie die von Axel Fischer und seinem Tauchaer Textilunternehmen, das sozialistische wie kapitalistische Hürden überwunden hat, oder die von Petra Hunger in einem Erzgebirgsort, die über Nacht fünffache Millionärin wurde und doch dabei ganz auf dem Boden geblieben ist.

Ganz besonderes Glück hatte der 50-jährige Falko Höffl. Er erkrankte an Leukämie und gesundete durch die Knochenmarkspende des gleichaltrigen Frank-Peter Bär. Die beiden sächsischen »Blutsbrüder« sind später Freunde geworden. Ihre Frauen meinen gar, sie ähnelten sich tatsächlich.

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