Minneapolis. Der Freispruch für einen 29-jährigen Polizisten nach tödlichen Schüssen auf einen 32-jährigen schwarzen Autofahrer hat im US-Bundesstaat Minnesota am Wochenende heftige Proteste hervorgerufen. Bei einer spontanen Kundgebung in der Hauptstadt des Bundesstaates, St. Paul, wurden am Samstag 18 Menschen wegen Verkehrsbehinderung festgenommen. Danach gab es eine weitere Demonstration in der angrenzenden Großstadt Minneapolis.
Der Freispruch für Jeronimo Yanez, einen Latino, kam knapp ein Jahr nach den tödlichen Schüssen auf Philando Castile. Die Jury befand Yanez am Freitag in allen Anklagepunkten für nicht schuldig. Die Angehörigen des getöteten Schwarzen reagierten empört.
Der Polizist stand wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Er hatte Castile im vergangenen Juli in Falcon Heights erschossen. Zudem wurde Yanez vorgeworfen, bei dem Einsatz die Sicherheit der Freundin des Opfers und deren Tochter gefährdet zu haben. Beide waren mit Castile im Auto, als dieser erschossen wurde.
Castiles Lebensgefährtin Diamond Reynolds hatte ihren sterbenden Freund gefilmt, die Aufnahme wurde live auf Facebook übertragen. Der Fall sorgte landesweit für Entsetzen. Die vierjährige Tochter von Reynolds saß während des Vorfalls auf dem Rücksitz.
Nach Aussage von Reynolds war das Auto wegen eines kaputten Rücklichts angehalten worden. Castile habe dann dem Polizisten gesagt, dass er legal eine Waffe dabei habe. Als er seinen Waffenschein und die Fahrzeugpapiere herausholen wollte, habe der Polizist auf ihn geschossen.
Yanez hatte ausgesagt, er habe um sein Leben gefürchtet, weil er glaubte, Castile hole seine Waffe. Reynolds betonte dagegen, ihr Freund habe lediglich sein Portemonnaie hervorholen wollen.
Staatsanwalt John Choi sagte nach dem Urteil, die Angst des Polizisten sei unbegründet gewesen und rechtfertige nicht dessen Reaktion. »Er hat einen schrecklichen Fehler gemacht«, sagte Choi mit Blick auf den Polizisten.
Castiles Familie reagierte empört auf das Urteil. »Ich bin wahnsinnig wütend«, sagte seine Mutter Valerie vor dem Gerichtsgebäude in St. Paul. Das Justizsystem benachteilige schwarze US-Bürger.
Die afroamerikanische Bürgerrechtsgruppe NAACP erklärte nach dem Urteil, dieses zeige, »wie schwierig es ist, einen Beamten für die Tötung eines Menschen strafrechtlich zu verfolgen«.
Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze haben in den vergangenen Jahren in den USA wiederholt für Empörung und Aufruhr vor allem in der afroamerikanischen Bevölkerung gesorgt. Verurteilungen von Polizisten sind selten. Agenturen/nd
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1054467.proteste-gegen-polizeigewalt-in-minneapolis.html