nd-aktuell.de / 27.12.2017 / Wirtschaft und Umwelt

LINKE: Gefahr von Altersarmut wächst

Anteil der von Armut betroffenen Menschen ab 55 Jahren habe sich von 18,2 Prozent (2006) auf 20,5 Prozent erhöht

Berlin. Die Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten über 55-Jährigen in Deutschland ist einem Zeitungsbericht zufolge in den vergangenen zehn Jahren deutlich angestiegen. Waren im Jahr 2006 4,5 Millionen Menschen im Alter von 55 Jahren und älter betroffen, so stieg die Zahl bis 2016 um mehr als eine Million auf 5,6 Millionen an, wie die »Nordwest Zeitung« unter Berufung auf die LINKEN-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann berichtete.

Im vergangenen Jahr waren demnach in Deutschland 20,5 Prozent und damit mehr als jeder fünfte über 55-Jährige von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. 2006 habe der Anteil noch bei 18,2 Prozent gelegen.

Im EU-Durchschnitt lag das Armuts- und Ausgrenzungsrisiko älterer Menschen den Angaben zufolge im Jahr 2016 bei 20,8 Prozent. Im Vergleich mit den Nachbarstaaten sei die Gefährdung in Deutschland teils deutlich höher. So seien in Frankreich nur 13,1 Prozent der über 55-Jährigen bedroht, in den Niederlanden 13,9 Prozent, in Österreich 16,2 Prozent. In Polen sei das Risiko auf dem gleichen Niveau wie in Deutschland.

LINKEN-Fraktionsvize Zimmermann, die aktuelle Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat ausgewertet hat, forderte von der künftigen Bundesregierung ein umfassendes Konzept gegen Altersarmut. »Unter anderem muss der Mindestlohn auf zwölf Euro erhöht werden und ohne Ausnahmen gelten«, sagte sie der in Oldenburg erscheinenden »Nordwest Zeitung«. Ältere Erwerbslose dürften nicht länger abgeschrieben, sondern müssten unterstützt werden. Zudem müsse die gesetzliche Rente durch eine Anhebung des Rentenniveaus gestärkt werden.

Die Gefahr von Armut oder sozialer Ausgrenzung wird in der Auswertung anhand von drei Kriterien bestimmt. Von Armut bedroht gelten demnach Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. Hinzu kommen Haushalte, die von materieller Entbehrung betroffen sind. Der dritte Faktor ist Arbeitslosigkeit beziehungsweise eine sehr geringe Erwerbsintensität. Agenturen/nd