nd-aktuell.de / 30.01.2018 / Politik / Seite 3

Armut, Krankheit, Tod

Für Obdachlose gibt es nicht genug Schlafplätze

Ralf Klingsieck

Die Zahl der Obdachlosen in Frankreich liegt bei 143 000, darunter sind 30 100 Kinder. Das sind 50 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Hinzu kommen Geflüchtete, deren Zahl auf über 100 000 geschätzt wird. Insgesamt stehen aber nur 140 000 Plätze in Notquartieren und von Sozialbehörden bezahlten Hotels zur Verfügung. Rund 16 000 Obdachlose kampieren deshalb in Zelten oder notdürftig zusammengezimmerten Hütten in landesweit 570 wilden Camps. Die werden regelmäßig von der Polizei planiert, um die Bewohner zu vertreiben, entstehen aber ebenso regelmäßig neu.

Eine unbekannte Zahl Obdachloser übernachtet in leerstehenden Gebäuden, die restlichen schlafen unter freiem Himmel. Allein in Paris sind das jede Nacht mindestens 5000. In diese Zahlen sind Asylbewerber nicht eingerechnet, für sie stehen landesweit 80 000 Plätze in speziellen Aufnahmeheimen zur Verfügung.

Bei jenen, die in Hotels untergebracht werden, handelt es sich zu 60 Prozent um ausländische Flüchtlinge ohne Papiere, deren Kinder bis zum 18. Lebensjahr Bleiberecht haben und schulpflichtig sind. So lange können ihre Eltern nicht ausgewiesen werden, dürfen aber nicht arbeiten, sondern bekommen Sozialhilfe.

Die Hälfte der Obdachlosen sind Familien oder alleinstehende Frauen mit Kindern, die allein 17 Prozent ausmachen. Zehn Prozent sind zwischen 18 und 25 Jahre alt, 25 Prozent sind alleinstehende Männer zwischen 40 und 60. Jeder vierte Obdachlose geht regelmäßiger Arbeit nach, verdient aber so wenig, dass er keine Miete zahlen kann.

Dass jeder Zehnte ein Hochschuldiplom hat, nützt wenig, denn meist handelt es sich dabei um Abschlüsse aus Osteuropa, die in Frankreich nicht anerkannt werden. Weil sie wechselnder Witterung ausgesetzt sind und sich nicht gesund ernähren können, sind Obdachlose überdurchschnittlich oft krank. Sie kommen selten oder zu spät in ärztliche Behandlung. Jeder Dritte leidet unter psychischen Störungen. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt bei Männern 47 und bei Frauen 42 Jahre. Vergangenes Jahr starben frankreichweit 407 Obdachlose, darunter zwei Babys.