In einem Punkt muss man Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries recht geben: Die deutsche Wirtschaft befindet sich tatsächlich in einer »sehr guten Verfassung«, wie die SPD-Politikerin anlässlich der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts feststellte. Zumindest wenn man die klassischen Indikatoren wie Wirtschaftswachstum und Anzahl der Erwerbstätigen betrachtet.
Doch jetzt kommt das große ABER: Trotz der angeblich so guten Lage bekommt man hierzulande viele drängende Probleme nicht in den Griff. Die eigenen Klimaziele werden nicht zuletzt deshalb weit verfehlt, weil die Konjunktur auf Hochtouren läuft. Gleichzeitig profitieren nicht alle gleichermaßen vom Aufschwung. Zwar steigen hierzulande wieder die Löhne, doch gehen sie schon seit geraumer Zeit immer weiter auseinander. Von den satten Profiten der Unternehmen, die nur in die Hände ihrer Besitzer wandern, ganz zu schweigen. So klafft die Schere zwischen Arm und Reich hierzulande wieder so weit auseinander wie vor 100 Jahren schon mal, wie Forscher unlängst feststellten. Und dann gibt es noch den öffentlichen Investitionsstau, der trotz Milliardenüberschüssen noch nicht aufgelöst wird.
Insofern kann man aus dem Jahreswirtschaftsbericht der alten und vermutlich auch neuen Koalition nur eins lernen: dass Eigenlob stinkt und gerade echt nicht angebracht ist.