nd-aktuell.de / 24.03.2018 / Berlin / Seite 13

Sozialwohnungen statt Zalando-Büros

Anwohner fordern nach Ausstieg des Modehändlers aus Bauprojekt auf der Cuvrybrache eine Neuplanung

Nicolas Šustr
Sozialwohnungen, Grünflächen mit freiem Spreezugang, Kitas und kleine Geschäfte, das fordert die Kreuzberger Anwohnerinitiative Bizim Kiez für das Gelände der ehemaligen Cuvrybrache zwischen Spree und Schlesischer Straße. Anlass ist die Kündigung des Mietvertrags, den der Online-Modehändler Zalando mit dem Investoren Artur Süsskind geschlossen hatte. Ursprünglich wollte das Internetunternehmen 80 Prozent der Flächen des dort bereits in Bau befindlichen Gewerbeobjekts Cuvry Campus nutzen. »Wir haben Zweifel daran, dass das Projekt innerhalb des Zeitplans fertig wird«, begründet Zalando-Sprecherin Nadine Przybilski die Kündigung.

Die »bautechnisch erforderliche Änderung des Bauablaufs« habe man bereits im August 2017 Zalando mitgeteilt, erklärt Süsskind in einer Mitteilung. Der »vertraglich vereinbarte Zeitpunkt der Fertigstellung und Übergabe des Projektes« sei allerdings dadurch »nicht gefährdet«, so der Investor weiter. Das habe sowohl er als auch das Bauunternehmen Zalando gegenüber schriftlich bestätigt.

»Niemand will den geplanten Gewerbepark nach völlig überkommenen Plänen«, heißt es bei Bizim Kiez nach dem Rückzug des Ankermieters.

Der Eigentümer habe eine Baugenehmigung für Gewerbe, der Absprung von Zalando ändere daran nichts, heißt es bei der Stadtentwicklungsverwaltung. »Er könnte die Möglichkeit nutzen und Gewerbe und Wohnungen bauen. Wir würden das begrüßen«, lässt die Verwaltung per Twitter wissen.

Magnus Hengge von Bizim Kiez befürchtet, das Süsskind schnell neue Mieter finden wird. Die Gegend ist bei Internetunternehmern sehr beliebt. Auch Investor Süsskind zeigt sich nicht beeindruckt. Unabhängig von einer Anmietung der Flächen durch Zalando »werden wir das Bauvorhaben zügig fortführen«, lässt er wissen.

Ersatzflächen in fußläufiger Entfernung zur Unternehmenszentrale am Friedrichshainer Spreeufer sind in Aussicht. »Wir sind in Verhandlungen, es gibt aber noch keinen Abschluss«, so Przybilski. Zalando halte auch nach wie vor an der Anmietung des im Umbau befindlichen ehemaligen Kaufhauses am Ostbahnhof fest.

Bizim Kiez fordert von Senat und Bezirk, »alle Instrumente zu nutzen, um eine von Zalando weiterhin angestrebte Anmietung von 35 000 Quadratmetern Gewerbefläche im Innenstadtgebiet auf ihre sozialräumlichen Folgen zu prüfen«.

Unbekannte haben am Freitag offenbar ihren Unmut über Zalando an einem Kreuzberger Bürogebäude des Unternehmens Luft gemacht. Es wurde mit farbgefüllten Glasflaschen beworfen, wie die Polizei mitteilte. Die Fassade ist großflächig verschmutzt, und einige Fenster sind beschädigt. Eine Flasche schlug am Freitag durch ein Fenster, weshalb auch der Innenraum teilweise mit Farbe verschmutzt ist.