Berlin. Unter dem Motto »Berlin trägt Kippa« ruft die Berliner Jüdische Gemeinde für Mittwoch in der Hauptstadt zu einer Solidaritätsaktion auf. Zu der Kundgebung vor dem Gemeindehaus Fasanenstraße seien alle Berlinerinnen und Berliner eingeladen, kündigte die Gemeinde am Montag in Berlin an. Angemeldet sind etwa 1.000 Teilnehmer. Als Redner werden Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der Gemeindevorsitzende Gideon Joffe und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erwartet.
Unterstützt wird der Kundgebungsaufruf von einer Vielzahl Organisationen und Initiativen aus Politik und Gesellschaft darunter der evangelischen Landeskirche, dem Erzbistum Berlin, der israelischen Botschaft, dem Berliner Abgeordnetenhaus und dem Deutsche Roten Kreuz und Paritätischen Wohlfahrtsverband. Auch an Frauen werde an diesem Tag die sonst von Männern getragene jüdische Kopfbedeckung verteilt, sagte der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde, Sigmount Königsberg. »Es geht in diesem Fall nicht um die streng religiöse Auslegung, sondern um ein Zeichen der Solidarität.«
Auch in anderen deutschen Städten werden Solidaritätsaktionen für jüdische Mitbürger vorbereitet. Der Freistaat Thüringen ruft ebenfalls für Mittwoch zu »Thüringen trägt Kippa« auf. Der Stadtkämmerer von Frankfurt am Main, Uwe Becker (CDU), hat angekündigt, am 14. Mai unter dem Motto »Zeig' Gesicht und Kippa« aus Solidarität einen ganzen Tag lang eine Kippa tragen zu wollen. Die Aktion »Thüringen trägt Kippa« soll um 10.30 Uhr an der Mikwe bei der Krämerbrücke starten. Die Teilnehmer wollen dann gemeinsam zur Synagoge der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen laufen. Partner und Unterstützer der Solidaritätsaktion sind neben der Landesgemeinde und weiteren Initiativen auch die Erfurter Staatskanzlei, die Landeshauptstadt und die Weimarer Musikhochschule Franz Liszt.
Die Landesregierung unterstützt die Aktion ebenfalls. Ministerpräsident Bodo Ramelow (LINKE) schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: »Ich bin dabei! Ob Kopftuch, Kreuz oder Kippa - wir stehen für die Vielfältigkeit.«
Hintergrund ist der gewalttätige Übergriff auf zwei Kippa tragende Männer[1] am vergangenen Dienstag in Berlin-Prenzlauer Berg. Dabei waren die beiden Männer mit Kippa von einem Arabisch sprechenden Mann angegriffen worden. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde inzwischen Haftbefehl erlassen[2]. Nach dem Vorfall hatte bereits der Sprecher des Berliner Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus, Levi Salomon, dazu aufgerufen, verstärkt auf den Straßen Kippa zu tragen. Wir müssen diesen Kampf aufnehmen und in der Öffentlichkeit wieder sichtbar werden, sagte Salomon: »Wir dürfen den öffentlichen Raum weder islamistischen noch rechtsextremen Antisemiten überlassen.« epd/nd