nd-aktuell.de / 15.05.2018 / Wirtschaft und Umwelt / Seite 13

Imkern soll wieder »sexy« werden

Bienen mieten für die Bestäubung und guten Ruf

A. Cäcilie Bachmann

In Deutschland erleben Imker und ihre Bienen eine Zeitenwende, die in den USA und den Niederlanden längst läuft. Bienen werden nicht mehr vorrangig für die Honigproduktion gehalten, sondern als »Bestäubungsmaschinen« in der industriellen Landwirtschaft eingesetzt. Denn Bienenbestände sind weltweit ungesunden Bedingungen ausgesetzt, die zu einem drastischen Rückgang führen.

Wanderbienen ist der Ausdruck in den USA für Imker, die fast das komplette Jahr über Land fahren und ihre Bienen für die Bestäubung vermieten. Nur wenige Monate im Jahr wird ihnen eine Winterpause gegönnt, in der sie mit Turbonahrung gefüttert werden, damit die Völker schnell wachsen. Das ist ein nicht unumstrittenes Verfahren, auch weil die Bienen in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt und so Dünge- und Schädlingsvernichtungsmitteln ausgesetzt werden.

Auch in Deutschland gibt es Zeichen für einen Umbruch. Mussten früher Imker bei Landbesitzern um die Erlaubnis bitten, um ihre Bienenstöcke aufzustellen und dann meist in Form von Honig eine Art Miete entrichten, so sind Bienenvölker heute in großflächigen Anbaugebieten als Bestäuber begehrt. Vor gut einem Jahr gründete der Bremer Dieter Schimanski, bis dahin Geschäftsführer einer Unternehmensberatung, einer Werbeagentur und einer Einkaufsgemeinschaft, ein weiteres Unternehmen: »Bee-Rent«. Das bietet an, was der Firmenname bedeutet - das Mieten von Bienen. Schimanski geht es laut eigener Aussage nicht nur um eine neue Geschäftsidee mit einem sehr großen, noch nicht erschlossenen Absatzmarkt. Er wolle das Imkern wieder »sexy« machen, erklärte er.

Pro »Bee-Rent-Box«, also pro Bienenvolk mit Bienenstock sind zwischen 179 und 199 Euro monatlich zu entrichten, je nach Laufzeit des Vertrags. Für jedes weitere Volk am selben Standort werden Rabatte gewährt. Im Preis enthalten sind Imkeraufgaben wie Kontrollbesuche, die Bienenvölker winterfest machen und für »Kraftfutter« sorgen, im Frühjahr für die Saison vorbereiten, die Gesundheit der Bienen überwachen. Auch Honig ernten, schleudern, in Gläser verpacken und dem Kunden liefern gehört dazu.

Angepriesen wird das Bienen-mieten auch mit den Nachhaltigkeitsauflagen der EU für Unternehmen, die ihre Anstrengungen in dem Bereich nachweisen müssen. Daneben kommt vom Unternehmens- und Werbungsberater als Argument auch das große Potenzial für positive eigene Außendarstellung. Klingt erst einmal nach einer guten Sache. Aber es gibt viele kritische Stimmen mit guten Argumenten. Gegner der industriellen Landwirtschaft, die als Zerstörerin der Natur und ihrer Systeme gilt, betonen, dass erst diese Form des Ackerbaus zur Vernichtung von Bienenpopulationen führte. Sie fordern den Verzicht auf Chemikalien, Gifte sowie riesige Felder und verlangen den Rückbau. Der würde ausreichend natürliche Räume für Bienenvölker schaffen.

Im zunehmenden »Bienen-Leasing« wird auch die Gefahr gesehen, dass das Problem nur umgangen und die Dringlichkeit einer Lösung kaschiert wird. Bis womöglich das gesamte Problem des Verschwindens gesunder, freier Wildtierlebensräume negiert wird.