»Was die können, können wir genauso« - die Reaktion von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zeigt, auf welchem Niveau der Handelskonflikt mit der Trump-Regierung in den USA mittlerweile angekommen ist. Wie beleidigte Jungs im Sandkasten streiten beide Seiten darüber, wer eigentlich angefangen hat. Da sich beide im Recht fühlen, ist eine Eskalationsspirale programmiert, die vielleicht schon bald die Autoindustrie erreichen wird und dann richtig wehtut.
Man könnte den Streit, den alle Beteiligten eigentlich nicht eskalieren lassen wollen, auch als Chance verstehen, in internationalen Handelsfragen mal die Reset-Taste zu drücken. Der seit den 90er Jahren dominierende Freihandel hat vielerorts genauso viele Schäden und Härten verursacht, wie es eine Rückkehr zu Protektionismus tun würde. Das Problem ist ja, dass beide Ansätze bei der Regulierung des Handels dasselbe Ziel verfolgen: dass für die »eigene« nationale Wirtschaft der maximale Profit dabei herausspringt.
Handelskonflikte lassen sich daher grundsätzlich nur auf einem Wege lösen: mit multilateral geregelten gleichen und fairen Bedingungen für alle, die Umwelt- und Sozialstandards umfassen sowie armen Ländern Entwicklungsmöglichkeiten lassen. Aber leider gehört es bekanntlich nicht zu den Stärken von Außenpolitikern, mal über den eigenen Tellerrand zu schauen.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1089890.strafzoelle-der-usa-mal-die-reset-taste-druecken.html