Berlin. Arbeitslose drohen einem Medienbericht zufolge immer häufiger in Armut abzurutschen. Im vergangenen Jahr galten weit über zwei Drittel aller Erwerbslosen als armutsgefährdet, wie die »Saarbrücker Zeitung« am Donnerstagsausgabe unter Berufung auf von der LINKEN-Sozialexpertin Sabine Zimmermann angeforderte Zahlen des Europäischen Statistikamtes Eurostat berichtet. Damit hat sich der Anteil gegenüber dem Jahr 2000 fast verdoppelt.
Demnach waren im vergangenen Jahr 70,5 Prozent der Arbeitslosen von Armut bedroht. Im Jahr 2000 lag die Quote noch bei 37 Prozent. In keinem anderen Land der EU sei dieser Anteil aktuell so hoch wie in Deutschland, schreibt die »Saarbrücker Zeitung«. Der EU-Durchschnitt liegt bei 48 Prozent.
Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung im jeweiligen Mitgliedstaat zur Verfügung hat. In Deutschland lag dieser Wert 2017 für einen Alleinstehenden bei 1096 Euro im Monat.
Zimmermann erklärte, statt Hartz IV brauche es eine »sanktionsfreie Mindestsicherung, die wirklich vor Armut schützt und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht«. Zugleich müsse die Arbeitslosenversicherung wieder zum Hauptinstrument der sozialen Sicherung bei Erwerbslosigkeit werden. AFP/nd