Fast 60 Prozent der 87 000 Frauen und Mädchen, die nach UN-Angaben 2017 ihr Leben durch eine Gewalttat verloren, sind von Angehörigen erschlagen, verbrannt, zu Tode gequält worden. Zudem schätzt die UNO, dass bis zu 70 Prozent der Tötungsdelikte, bei denen die Opfer weiblich waren, »gender related« waren. Sie sind also gestorben, weil sie aufgrund ihres Geschlechts als geringerwertig betrachtet wurden. Die Dunkelziffer bei frauenfeindlicher Gewalt ist zudem enorm hoch. Gerade Überlebende von Sexualverbrechen schweigen oft - aus Scham und aus Angst, dass ihnen eine Mitschuld gegeben wird. Vor allem aber, weil sie kaum hoffen können, dass ihr Peiniger zur Verantwortung gezogen wird.
Auch in Deutschland kommt es nach wie vor nur bei einem Bruchteil der angezeigten Vergewaltigungsfälle zum Prozess und noch seltener zu Verurteilungen. Ein Ende der Straflosigkeit bei misogyner Gewalt wäre ein großer Fortschritt. Doch entscheidend wird es sein, dass Kinder frei von Gewalt, aber auch frei von Armut, aufwachsen können. Und auch, wenn selbsternannte Männerrechtler behaupten, Jungen müssten ihre »Natur« ausleben können: Es ist für sie selbst am gesündesten, wenn sie lernen, Konflikte friedlich auszutragen und anderen unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung respektvoll zu begegnen.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1122576.un-bericht-spitze-des-eisbergs.html