Paroli geben will gelernt sein. Das weiß auch der Autor und Journalist Hasnain Kazim. In seinem im Februar erscheinenden Buch »Auf sie mit Gebrüll! ... und mit guten Argumenten« [1]verrät der »kampferprobte« Wiener auf sehr unterhaltsame Weise Tipps und Strategien fürs richtige Streiten und für starke Argumente, um dumpfem Hass und platten Parolen Einhalt zu gebieten.
Sexistische Sprüche bei der Weihnachtsfeier, Impfgegner beim Geburtstagsessen, islamfeindliche Kommentare unter einem Facebook-Post - wir alle kennen Situationen, in denen wir mit Halbwahrheiten oder einem problematischen Weltbild konfrontiert werden. Aber was entgegnet man, wenn jemand den Klimawandel leugnet, an die BRD-GmbH glaubt oder an eine jüdische Weltverschwörung? Die Journalistin und Videomacherin Franzi von Kempis macht sich schon länger auf der Facebook-Seite »Die besorgte Bürgerin« gegen Unwissen und Halbwahrheiten stark. In ihrem Buch »Anleitung zum Widerspruch« [2]bietet sie nun fundierte Argumente und sorgfältig recherchierte Fakten, die jeder versteht. Das Buch ist eine gut verständliche Hilfe, um populistischen, unwahren oder hetzerischen Parolen etwas entgegenzusetzen.
Die Frage, warum Menschen Hass im Netz verbreiten, wird unter anderem damit beantwortet, dass sich diese mit ihren Bedürfnissen übersehen fühlen. Ein Gefühl, das bei vielen Menschen auf die Kindheit zurückzuführen ist. Der Autor und Kinderarzt Herbert Renz-Polster zieht in seinem Buch »Erziehung prägt Gesinnung« [3]klare Parallelen zwischen dem aufkommenden Rechtsruck, dessen Anhänger Studien zufolge für Hasskommentare ganz besonders empfänglich sind, und autoritären Erziehungsstilen. Ganz sicher wird nicht aus jedem Kind, das mit Härte, Abgrenzung und nicht gesehenen Bedürfnissen groß wird, ein Rechter. Aber: Es gibt Zusammenhänge, die Renz-Polster deutlich macht. Er sieht in Rechten Kinder, die in ihrem Drang nach Anerkennung alleingelassen wurden. Insbesondere eine autoritäre Erziehung gehe in allen Kulturen einher mit Anfälligkeit für populistische Botschaften. Wer den Populismus verstehen und bekämpfen will, der schaue auf die Kinder. Renz-Polster macht mit seiner Analyse klar: Das Familienklima von heute wird das politische Klima von morgen sein.
Streit und das Lösen von Konflikten gehören zum Leben. Das wissen schon Kinder. Schließlich sind auch sie nicht vor Konflikten gefeit. Aber wie funktioniert gutes Streiten? Das Buch »So war das! Nein, so! Nein, so!«[4] von Kathrin Schärer macht es vor. Es ist ein liebevolles Plädoyer für das Zuhören und eine wunderbare Geschichte über das Streiten.
In ihrem Essay »Gegen den Hass«[5] positioniert sich die Autorin und Publizistin Carolin Emcke auf eindrucksvolle Weise gegen Rassismus, Fanatismus und Demokratiefeindlichkeit unserer Zeit. Sie plädiert für Vielstimmigkeit und macht Platz für das »Unreine«, um dem vorherrschenden dogmatischen Denken, das keinen Platz für Schattierungen lässt, etwas entgegenzusetzen. Für Emcke geht es um den Schutz des Individuellen und Abweichenden. »Es gilt zu mobilisieren, was dem Hassenden abgeht: die Fähigkeit zur Ironie, zu Zweifeln und die Vision einer offenen Gesellschaft«, so die Autorin.
Terrorwarnungen, Gerüchte, die Fake-News-Panik, Skandale und Spektakel in Echtzeit - die vernetzte Welt lebt in einer Stimmung der Nervosität und Gereiztheit. Bernhard Pörksen analysiert in seinem Buch »Die grosse Gereiztheit«[6] die Erregungsmuster des digitalen Zeitalters, beschreibt das große Geschäft mit der Desinformation und hebt die Bedeutung von Medienmündigkeit hervor. nd
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1131912.anleitung-zum-widerspruch.html