Berlin. Die Radikalisierung im Internet und in den sozialen Medien ist einer neuen Studie zufolge der stärkste Antrieb für den internationalen Rechtsterrorismus. Die Ergebnisse eines zweijährigen Monitorings von mehr als 600 Online-Kanälen zeigten, dass sich in digitalen Hass-Communities im Internet rechtsextreme Parallelgesellschaften bilden[1], teilte die Amadeu-Antonio-Stiftung am Donnerstag in Berlin mit. Sie würden sich zunehmend abschotten und in einen »kollektiven Wahn« hineinsteigern.
Die Täter beriefen sich bei Anschlägen wie in Christchurch und Halle auf eine ähnliche Ideologie, wählten ähnliche Anschlagsformen, bezögen sich in Manifesten aufeinander, motivierten sich damit gegenseitig und würden um Nachahmungstäter werben, betonte die Stiftung. Dem müsse mit flächendeckender Förderung von Medienkompetenz innerhalb und außerhalb der Schule begegnet werden, um Jugendliche gegen Strategien zur Meinungsmanipulation zu immunisieren.
Die Auseinandersetzung mit rechtsextremer Online-Radikalisierung müsse beginnen, bevor Menschen in geschlossenen Hass-Communities landen, forderte die Stiftung. Dies könne nur durch eine aufmerksame digitale Zivilgesellschaft gelingen, »die Gegenrede und Widerspruch gegen Hassnarrative leistet«. Konspirative Online-Gruppen könnten zudem nur mit höherem Verfolgungsdruck durch Netzwerkbetreiber und besser geschulte Sicherheitsbehörden aufgelöst werden.
Die Stiftung hat nach eigenen Angaben für die Analyse mehr als 300 verschiedene Youtube-Kanäle, mehr als 200 Telegram-Kanäle und -Gruppen und über 150 Facebook-Gruppen ausgewertet. epd/nd