Was ist der Mikrozensus?
Es handelt sich um eine jährliche Statistik, bei der rund 810 000 Menschen in etwa 370 000 Privathaushalten stellvertretend für ganz Deutschland zu ihren Lebensbedingungen befragt werden - umgerechnet rund ein Prozent der Einwohner. Die »kleine Volkszählung« existiert seit 1957.
Ist die Teilnahme Pflicht?
Wer ausgewählt wurde, ist zur Auskunft verpflichtet. Verweigerer können per Gesetz mit Geldstrafen belangt werden. Daran gibt es immer wieder Kritik von Datenschützern.
Wie funktioniert der Mikrozensus?
Jeden Monat werden mehr als 30 000 Haushalte angeschrieben. Ohne die Auskunftspflicht wäre die Stichprobe laut den Statistikämtern nicht mehr repräsentativ. In der Regel werden die Haushalte persönlich befragt. Den Besuch kündigt das zuständige Landesamt vorher schriftlich an. Die Namen der Befragten und ihre Antworten werden getrennt voneinander gespeichert. So soll gesichert werden, dass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen gezogen werden können. Die Ergebnisse des Berichtsjahrs 2020 werden im Frühling oder Frühsommer des Folgejahrs veröffentlicht. Dazu zählen auch Ergebnisse aus den einzelnen Bundesländern.
Was passiert mit den ausgewerteten Daten?
Die ausgewerteten Daten werden vor allem von Politik und Verwaltungen als Entscheidungsgrundlage genutzt. Beispielsweise gehen die Ergebnisse des Mikrozensus in die Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung und der Länder ein. Die Ergebnisse sollen die wirtschaftliche und soziale Situation der Haushalte abbilden. Die abgefragten Daten bilden demnach beispielsweise eine Grundlage bei Anpassungen von Leistungen wie Eltern- und Wohngeld oder der Rente. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden appellierte an die zufällig ausgewählten Haushalte, es bei der Befragung zu unterstützen.
Im Übrigen ist der Mikrozensus nicht zu verwechseln mit der großen Volkszählung, dem Zensus. Dabei werden alle zehn Jahre zehn Prozent der Bevölkerung befragt.
Was ist seit diesem Jahr neu?
Haushalte, die für den Mikrozensus ausgewählt wurden, können erstmals den Fragebogen online beantworten. Zudem wurde eine EU-weite Studie zu Einkommen und Lebensbedingungen in den Mikrozensus integriert. Damit sollen Armut und soziale Ausgrenzung in der EU vergleichbar werden. Ziel ist, Mehraufwand bei den Befragten und den Statistikämtern zu vermeiden. Bei getrennten Erhebungen müssten mehr Menschen befragt werden.
Warum wird der Mikrozensus immer wieder kritisiert?
Zwar müssen nicht alle Fragen zwingend beantwortet werden, aber Datenschützer kritisieren, dass den Teilnehmern teilweise sehr sensible Fragen zu Einkommen, Familie, Beruf oder zur eigenen Gesundheit gestellt werden. Zudem verstoße das Zwangsgeld bei Verweigerung der Teilnahme gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. AFP/nd