nd-aktuell.de / 08.08.2020 / Wissen / Seite 24

»Es wurde natürlich gerne mal gemordet«

Dr. Schmidt erklärt die Welt. Diesmal: Mord und Totschlag im Hochadel

Ines Wallrodt

Spaniens einstiger König ist untergetaucht. Wann hat es so was zuletzt gegeben?

Das gab es mit Sicherheit schon öfter. Bei der sogenannten glorreichen Revolution, bei der Jakob II. abgesetzt worden ist, hat dieser die Flucht aus England ergriffen.

Das war wann?

Die Glorreiche war ein bisschen später als die eigentliche Revolution. Die war nämlich 1642 und endete mit dem Tod des Königs unter dem Richterschwert, worauf die mehr oder minder protestantische Diktatur des Oliver Cromwell folgte, die in der Restauration endete, denn nach Cromwells Tod hatten die Leute die Nase voll und riefen den König aus Frankreich zurück.

Eigentlich kann Juan Carlos dankbar sein, immerhin droht ihm heute weder Richterschwert noch Fallbeil.

Naja, Enthauptung kam sowieso nicht gar so oft vor. Dieser eine englische und der bekanntere französische sind - soweit ich mich erinnere - die einzigen Könige, die durch die Todesstrafe aus dem Amt gerieten. Aber es wurde natürlich gerne mal gemordet. Da war der Hochadel schon immer nicht fein. Die Engländer hatten übrigens im Vergleich zu den Franzosen Glück, denn ihr Hochadel hatte sich in den Rosenkriegen im 14. Jahrhundert schon selbst weitgehend ausgerottet. Aber das Interessante ist, dass nach dem Sturz der Restaurationskönige vom Parlament klar gemacht wurde, dass in England kein Katholik mehr auf den Thron dürfe, was zur Folge hatte, dass wenig später ein deutsches Fürstenhaus auf den Thron kam. Das Haus Hannover, heute eher durch Skandälchen bekannt.

Werden Fürsten dann auch so echte Könige? Oder nur Hilfskönige?

Fürsten sind Teil des Hochadels, wie Könige auch. Im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation wurden Könige von den Kurfürsten gewählt. Aber diese »Adelsdemokratien«, die gab es nicht überall. Und es ging auch nicht überall gut. Im Deutschen Reich führte das zu der berühmt-berüchtigten Kleinstaaterei.

So wie Liechtenstein und Monaco?

Nicht so ganz. Liechtenstein vielleicht. Beide sind bis heute Fürstentümer. Liechtenstein ist natürlich nicht gänzlich unabhängig, außenpolitisch hängen sie an der Schweiz. Und Monaco, ja Gott, ohne Casino und Steuerflüchtlinge sind die ökonomisch auch aufgeschmissen. Monaco war lange Zeit nicht so ganz standesgemäß. Eigentlich besteht das Fürstenhaus aus Nachfahren mittelalterlicher Kriegsherren aus dem Bürgertum, die sich erfolgreich die Selbstständigkeit gegenüber dem französischen Königreich und den benachbarten italienischen Fürstentümern sichern konnten.

Kriegsherr, König - macht im Kern keinen Unterschied.

Also das ist mal klar: Irgendwie fängt all dieses Zeug mit Mord und Totschlag an.