Vor einem Jahr kamen Zehntausende Bauern mit ihren Traktoren in die Großstädte, brachten ihre Wut über Politik und Gesellschaft zum Ausdruck, die ihnen immer mehr Leistungen abverlangen, sie aber mit den Kosten dafür weitgehend allein lassen. Doch die Aktionen wurden vielfach bloß als sture Verweigerung von mehr Umwelt- und Tierschutz wahrgenommen, fachliche Probleme und Belastungen, die etwa die neue Düngeverordnung mit sich bringt, waren und sind Laien schwer zu erklären.
Jetzt richtet sich der Zorn der Landwirte verstärkt gegen die großen Vier, die 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels beherrschen und mit ihrer Marktmacht die Preise drücken. Doch während Fleisch- und Milchverarbeiter den Druck weitergeben können, wachsen bei den Bauern nur die Schuldenberge. Die Blockaden der Auslieferungszentren von Lidl und Co. treffen also die Richtigen. Denn die Discounter sind maßgeblich verantwortlich für die existenzielle Not Hunderttausender. Immer mehr Landwirte raten ihren Kindern ab, den elterlichen Hof zu übernehmen oder geben ihren Beruf auf, mancher nimmt sich vor Verzweiflung das Leben. Doch gegenüber den Konzernen werden die Protestierenden einen langen Atem - und weiter viel Solidarität untereinander brauchen.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1145166.bauernproteste-die-richtigen-adressaten.html