Mittlerweile kann ich dem 14. Februar, dessen Valentinstagssäuselei mich schon immer wahnsinnig genervt hat - genauso wie Blumen und Pralinen zum Frauen- oder sogar Muttertag - wieder etwas abgewinnen. Solche symbolischen Tage zu nutzen, um die alltägliche Gewalt, Erniedrigung und Unterdrückung, die Mädchen und Frauen weltweit widerfährt, anzuprangern, ist sinnvoll - auch wenn ich dafür eher nicht bei One Billion Rising tanzen werde[1], sondern mich zu anderen Protestformen hingezogen fühle. Umso wichtiger finde ich die feministische Sichtbarkeit in diesem Jahr der Pandemie. Sei es online oder auf der Straße. Denn die Eindämmungsmaßnahmen haben die Gewalt gegen Frauen und Kinder verstärkt. Hervorgebracht haben sie sie aber nicht.
Es war das Bild einer älteren Frau im Jahr 2016, die die geplante Verschärfung des polnischen Abtreibungsgesetzes damals mit Worten kommentierte, die mich nicht wieder losgelassen haben: »I can’t believe, I still have to protest this shit« - Ich kann nicht glauben, dass ich gegen diesen Mist noch immer protestieren muss. Ich wurde nicht als Feministin geboren, aber ich denke, dass es zu den Mindeststandards einer demokratischen Gesellschaft gehört, Schwangerschaftsabbrüche als Mittel der körperlichen Selbstbestimmung von Frauen zu ermöglichen und zu verteidigen. Vielleicht werde ich also die Worte der betagten Dame im Alter auch noch auf ein Schild schreiben müssen. Denn danach sieht es derzeit aus. Es braucht mehr und deutlichere feministische Offensiven, die sich dem gesellschaftlichen Rechtsruck und dem Trend zum Antifeminismus entgegenstellen. Ob in Form von One Billion Rising oder mit klaren antisexistischen Demonstrationen und Aktionen, die sich gegen patriarchale und frauenverachtende Strukturen und Mechanismen richten.
In drei Wochen ist der Internationale Frauenkampftag. Auch dann wird es wieder heißen: Jeder Tag ist 8. März. Von mir aus kann auch jeder Tag der 14. Februar sein. Auch in den kommenden Jahrzehnten.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1148298.feminismus-trotz-pandemie-nicht-unsichtbar.html