Wenn Marine Le Pen gehofft hatte, die Regionalwahl[1] würde zur Generalprobe für ihren Sturm aufs Elysée bei der Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr werden, dann hat sie sich gründlich verrechnet. Statt in sechs Regionen wie 2015 landete der rechtsextreme Rassemblement National dieses Mal im ersten Wahlgang nur in einer Region auf dem ersten Platz. Nur in acht von 13 Regionen brachten es die Nationalisten auf die mindestens zehn Prozent der Stimmen, die nötig sind, um auch im zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag antreten zu dürfen.
Von der Eroberung einer Region ist Le Pens Partei weit entfernt. In Frankreich funktioniert - noch - die »republikanische Front« der demokratischen Parteien gegen die rechtsextreme Gefahr. Bedenklicher steht es um Grundlagen der Demokratie, wie sie das Wahlrecht darstellt. Erschreckend ist, dass am Sonntag nur jeder dritte Wahlberechtigte abgestimmt hat. Die Stimmenthaltung war mit 66,1 Prozent die höchste von allen Wahlen im Nachkriegsfrankreich. Bei den 18- bis 35-Jährigen blieben sogar 82 Prozent der Wahlurne fern. »Eine Demokratie ohne Wähler«, warnt Jean-Luc Mélenchon, der Gründer der linken Bewegung La France insoumise, »ist keine Demokratie.«