nd-aktuell.de / 05.08.2021 / Kultur / Seite 12

Sister Sledge: »Reach your peak«

Frank Jöricke

Wie besingt man (in diesem Fall: Frau) einen Orgasmus? Der einfachste Weg ist die Methode Jane Birkin, erstmals angewandt im Jahr 1969 auf »Je t’aime«: einfach drauflos stöhnen und nach und nach lauter werden. Der Haken an der Sache: Seit jener legendären Filmszene in »Harry & Sally« (1989) wissen Männer, dass Frauen diese vokalische Höchstleistung auch ohne guten Sex hinbekommen. Wenn es sein muss, sogar während frau ein Truthahn-Sandwich vertilgt.

Die Sledge-Schwestern wählten 1980 eine andere, überraschendere Herangehensweise. Gut vier Minuten lang gilt all ihr Trachten – scheinbar selbstlos und uneigennützig – dem Herzallerliebsten: »Ich möchte erleben, dass du den Höhepunkt erreichst.« (»I’d like to see you reach your peak«).

Doch während der Gute sich vermutlich wacker abmüht, genau dorthin zu gelangen, ist eine der Sledge-Schwestern ihm bereits die entscheidenden Höhenmeter voraus. Also tauscht sie kurz vor Liedende mal eben das Personalpronomen – aus »du« wird »ich«: »I’m reaching MY peak.«

Oben angekommen, entfährt ihr ein befreites Lachen – »Mensch, war das gut!« Und das ist der Augenblick, in dem man (in diesem Fall: Mann) denkt: Wer immer mit Frau Sledge den Gipfel erklimmen darf, muss ein glücklicher Mensch sein. Nur eine Frage bleibt: Was zum Teufel ist damals im Tonstudio passiert?