nd-aktuell.de / 23.09.2021 / Kommentare / Seite 8

Antisoziale Politik

Bundesregierung muss Stillstand bei der Armutsbekämpfung einräumen

Martin Höfig

Dieser Tage vermeldeten die Agenturen, dass der Chefkontrolleur der Deutschen Bank, Paul Achleitner[1], mit einem Jahreseinkommen von 802 000 Euro auf Platz eins der Rangliste der bestbezahlten Aufsichtsratsvorsitzenden im Dax gelandet ist. »Trotz eines teilweisen Vergütungsverzichts im Pandemiejahr 2020«, menschelt die FAZ und jubilierte: »Das reichte aber dennoch wieder für den Spitzenplatz, den Achleitner schon seit Jahren erfolgreich verteidigt.« Als wär es ein Sport.

Für die Sportkleidung ihrer Kinder bleibt dagegen in nach wie vor etwa 500 000 Familien hierzulande[2] kaum Geld übrig. Deren meist alleinerziehende Mütter und Väter haben für sich und ihren Nachwuchs gerade mal um die 500, vielleicht 600 Euro im Monat zur Verfügung. Ob sie arbeiten oder nicht – durch die Ausweitung des Niedriglohnsektors gibt es längst auch Armut trotz Erwerbs. Von der Armutsausgrenzung durch Hartz IV ganz zu schweigen. Und so kommt es, dass des Managers Stundenlohn nur wenig unter dem liegt, was eine halbe Million Familien hier monatlich zum Leben hat und wodurch jedes fünfte Kind in Armut aufwächst[3]. Seit Jahren ändert sich an dieser Zahl faktisch rein gar nichts, die Große Koalition verteidigt ihren Spitzenplatz der antisozialsten Politik immer wieder erfolgreich.

Links:

  1. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1119450.deutsche-bank-die-wurzel-allen-uebels.html?sstr=Achleitner
  2. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1156871.kinderarmut-noch-immer-lebt-jedes-fuenfte-kind-in-armut.html?sstr=Martin|H%C3%B6fig
  3. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1156765.wahlrecht-stimmen-ohne-relevanz.html?sstr=Kinderarmut