Trotz niedriger Zinsen von aktuell durchschnittlich 0,01 Prozent tragen viele Kinder ihr Erspartes auf das Sparbuch bei der örtlichen Bank oder Sparkasse. Kinder werden mit Prämien für das Sparen belohnt, und für Eltern und Großeltern halten die Banken gleich verschiedene, angeblich maßgeschneiderte Anlageprodukte für den Nachwuchs bereit.
Auf der Suche nach rentableren Alternativen zum klassischen Sparbuch werden Eltern häufig andere Produkte angeboten, die langfristig höhere Rendite und einen Schutz vor Inflation bieten sollen. »Viele der angebotenen Produkte, wie beispielsweise Indexpolicen, Ausbildungsversicherungen, Bausparverträge oder Aktienfonds sind aber in erster Linie wegen hoher Provisionen für die Vermittler lukrativ, nicht für die Kunden«, warnt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Als erstes gilt es, den Bedarf zu klären: Soll Geld für die Berufsausbildung oder das Studium zurückgelegt oder für ein neues Fahrrad gespart werden? Oder geht es schon um die Finanzierung eines Eigenheims? Ist der Bedarf geklärt, können geeignete, kostengünstige Produkte ausgewählt werden. Die attraktivste Investition, so scheint es, ist eine in die Bildung des Nachwuchses, etwa indem Großeltern statt Geld auf ein Konto zu überweisen, den Musik- oder Sportunterricht finanzieren.
Je nach Ziel, Anlass und Erwartung an die Erträge der Geldanlage kommen ansonsten verschiedene Möglichkeiten in Betracht. »Mehr Risikobereitschaft wird oft mit mehr Rendite belohnt«, sagt Erk Schaarschmidt, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Auch wer Geld einige Jahre »auf der Bank« liegen lässt und kostengünstige Produkte nutzt, kann auf höhere Erträge hoffen.
Mehr Flexibilität und Rendite verspricht derzeit eine Anlage auf dem Aktienmarkt, besonders in kostengünstige ETF, das sind börsengehandelte Fonds (englisch: Exchange-traded Fund). Schaarschmidt mahnt zugleich: »Aktienmärkte unterliegen Wertschwankungen, die sich durchaus erst nach 15 Jahren ausgleichen.«
Grundsätzlich empfiehlt sich daher für Eltern, Großeltern und Kinder eine Mischung verschiedener Produkte. Dieser Mix könnte aus Tagesgeld, das sicher wie ein Sparbuch ist, aus im Regelfall etwas höher rentierliche offene Immobilienfonds und eben einem ETF-Aktienfondssparplan bestehen - von politischen und ethischen Aspekten einer Aktienanlage einmal abgesehen.
ETF haben den Vorteil, dass geringe Verwaltungskosten anfallen. Im Regelfall berechnen Sparkassen und Banken 0,4 Prozent im Jahr. Ein handelsüblicher Aktienfonds kostet dagegen jährlich 2 Prozent. Ein solcher Aktienfonds wird aktiv gemanagt (kann also besser oder schlechter als ein Index abschneiden). Dagegen bildet ein ETF-Anbieter lediglich »passiv« einen Index ab. Die Sparraten eines ETF lassen sich flexibel aufstocken, reduzieren oder sogar ganz aussetzen. Um das Risiko breit zu streuen, könnten Sie in drei Indizes investieren, einen für Europa, einen für Amerika und einen für Asien. Oder sie setzen auf einen Weltaktienindex wie den »MSCI World«. Dieser vereint die Kurse von 1600 Unternehmen in zwei Dutzend Ländern.
Wer das Geld für den Nachwuchs auf ein Konto unter dem eigenen Namen anlegt, sollte unter Umständen steuerliche Aspekte berücksichtigen. Wer Konten und Depots bei mehreren Banken und Sparkassen unterhält, sollte darauf achten, dass die Freistellungsaufträge den Gesamtbetrag von 801 bzw. 1602 Euro nicht überschreiten, sonst droht Ärger mit dem Finanzamt.
Schaarschmidt rät darum auch zu unabhängigen Beratungen. Diese bieten im persönlichen Gespräch alle Verbraucherzentralen. Gegen ein geringes Honorar gibt es gar Beratung per Mail. Kostenlos können Sie sich auf dem Online-Portal der Verbraucherzentralen »Sinnvoll für Kinder und Enkelkinder sparen« ausführlich über die Vor- und Nachteilen oft beworbener Sparprodukte informieren - und dort auch die neue Folge des Verbraucherfunks hören: »Sparen für den Nachwuchs.«
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1159345.zahlreiche-moeglichkeiten-fuer-geldanlagen.html