Wenn ein Staatssekretär einem Sportverband mit Kürzungen droht, ist das wichtiger, als man glauben mag. Jene Politiker im zuständigen Innenministerium haben eine Menge Macht bei Verhandlungen um die öffentliche Förderung[1]. Beim Deutschen Schwimm-Verband[2] (DSV) geht es um mehr als fünf Millionen Euro. Jährlich. Und so ist es ein heftiger Schuss vor den Bug, wenn Mahmut Özdemir (SPD) sagt, dass Verbände, die sexualisierte Gewalt dulden oder gar vertuschen, »keinen Cent von Steuermitteln bekommen dürfen«.
Mitten in der Missbrauchsdebatte im DSV musste Özdemir den Verband nicht mal namentlich nennen. Dessen Funktionäre wissen genau, wer hier bedroht wird. Seit Jan Hempels[3] ergreifendem Schritt an die Öffentlichkeit melden sich täglich neue Opfer beim DSV. Nicht nur dieser Verband hat solche Fälle zu lange unter den Teppich gekehrt, um sein Image zu schützen. Diesmal aber muss der DSV genau das Gegenteil tun, um finanziell nicht komplett unterzugehen.
Es braucht genau diesen medialen, politischen und monetären Druck, um ein Umdenken zu erwirken. Um Täter anzuzeigen und aus dem Sport zu drängen, Trainer in Sachen Missbrauch[4] verpflichtend zu schulen, Opfern beizustehen. Es ist Schande genug, dass das nicht auch ohne Drohung schon geschah.