Die Energiekrise ist schwer zu greifen[1], da alles mit allem irgendwie zusammenhängt. Um die Komplexität zu reduzieren, werden im politischen Diskurs Einzelpunkte herausgegriffen, skandalisiert und Forderungen gestellt, die letztlich mehr schaden würden. Das gilt auch für die nach Einstellung der Stromexporte, was Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch möchte. Jenseits der politischen Frage, ob Schwarz-Rot-Gold-Nationalismus in Energiefragen angebracht ist – das deutsche Stromnetz ist Teil des europäischen Verbundsystems, das dann stabil ist, wenn genug eingespeist wird. Davon profitiert auch Deutschland, wenn lokale Engpässe durch Importe ausgeglichen werden und da man als Stromnettoexporteur Überschüsse einstreicht. Das in einer kritischen Lage des Nachbarn Frankreich infrage zu stellen, wäre nicht nur moralisch fragwürdig, es ist auch überflüssig. Weniger Exporte hätten keine Auswirkung auf den hiesigen Preis.
Das Problem der übermäßig steigenden Preise liegt derzeit in unserer Gasabhängigkeit[2] und vor allem im Marktdesign, laut dem das teuerste Kraftwerk den Preis bestimmt. Die Regeln zu ändern, wäre zwar kompliziert, aber vielversprechend.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1166445.energiepreiskrise-es-sind-nicht-die-exporte.html