Es ist ein deutlicher Sieg: Jakov Milatović hat am Sonntag die Präsidentschaftswahl in Montenegro mit 60 Prozent der Stimmen gewonnen. Amtsinhaber Milo Đukanović wurde in der Stichwahl klar auf den zweiten Platz verwiesen[1]. Die Freude bei der buntscheckigen Opposition ist groß, Đukanović nach 30 Jahren an der Macht – mal als Premierminister, mal als Präsident – eine Niederlage bereitet zu haben. Mit Milatović kommt ein im Westen ausgebildeter ehemaliger Banker ans Ruder. Der 38-Jährige war zwar bereits kurzzeitig Wirtschaftsminister, dennoch umgibt ihn die Aura des noch nicht korrumpierten Neuen. Mit »Europa jetzt« hat er seine eigene Partei.
Đukanović hingegen ist das Symbol der tiefen Krise, in der sich Montenegro befindet: eine um sich greifende Armut, eine auf Rohstoffe und Tourismus ausgerichtete Wirtschaft, zudem das zerrüttete Verhältnis zur orthodoxen Kirche und zum wichtigen Nachbarn Serbien. Neoliberale Lehrsätze werden da nicht helfen. Offen bleibt zudem, ob Đukanović im Juni nicht noch mal zum Sprung ansetzt. Dann finden – so entschied es der nunmehrige Ex-Präsident – vorgezogene Parlamentswahlen statt.