Die Anzahl der Kriegsdienstverweigerungen steigt deutlich an. Bundeswehrverantwortliche monieren[1], dass der Aufwuchs der Armee auf über 200 000 Soldat*innen nicht recht gelingen will. Das ist in Kriegszeiten wenig überraschend. Mehr Sorge muss aber der Zuwachs bei der Reservistenausbildung machen, die immer mehr ungediente Bewerber*innen anstreben. In einer 164 Stunden dauernden Ausbildung – etwas mehr als 20 Tage – werden sie auch an der Waffe ausgebildet und erscheinen danach zu weiteren Wochenendkursen.
Während eine reguläre Ausbildung die Grundkenntnisse im Umgang mit Waffen vermittelt, soll es bei den Reservist*innen ein Crashkurs richten. Dass die Pseudo-Waffenausbildung[2] schon zeitlich kaum über ein paar Wochenenden auf einer Paintball-Schießanlage hinausgehen kann, sollte Bewerber*innen zu denken geben. Zum Überleben im Kriegsfall trägt eine solche Ausbildung nicht bei. Wen man grob fahrlässig mit der Aussicht auf schnellen Zugang zu einer echten Waffe in die Nähe der Truppe lockt und in Militärstrukturen integriert, der dürfte absehbar Gegenstand neuer Skandale werden.