İlker Çatak war zwölf Jahre alt, als er mit seinen türkischen Eltern von Berlin nach Istanbul gezogen ist. Dort hat er eine deutsche Schule besucht. »Mein Türkisch war nicht so gut. Deswegen war ich unter Türken der Deutsche und in Deutschland unter Deutschen der Türke.« Das sagte der heute 39-jährige Regisseur dem »nd«. Nach dem Abitur, als er endlich richtig in Istanbul angekommen war, kehrte er jedoch nach Deutschland zurück und begann, für Kinoproduktionen zu arbeiten. Ein glücklicher Vorgang – vor allem für Deutschland. Denn irgendwann fing er an, seine eigenen Filme zu drehen, die vor allem von beiden deutschen und türkischen Kulturen erzählen.
Der 1984 in Berlin Geborene machte einen Masterabschluss an der Hamburg Media School. Schon seine früheren Kurzfilme sorgten für Aufsehen und wurden ausgezeichnet. Nun soll sein Drama »Das Lehrerzimmer[1]« – das dieses Jahr in der Sektion Panorama der Berlinale gezeigt wurde und bis jetzt den Deutschen Filmpreis in fünf Kategorien, darunter die Auszeichnungen als Bester Spielfilm und für die Beste Regie gewann – für Deutschland ins Rennen um die Oscars gehen. Der Film handelt von Diebstählen in einem deutschen Gymnasium. Am Beispiel der Schule möchte er unsere Gesellschaft abbilden. »Im System Schule gibt es ähnliche Strukturen und Hierarchien wie in einem Staat«, so Çatak gegenüber dem »nd«. Es geht im Film also um unsere Streit- und Debattenkultur, um Wahrheitsfindung, aber auch um Rassismus.
Çatak selbst habe im Gymnasium in Berlin keine Anfeindungen erlebt, aber er war das einzige Kind mit nichtdeutschen Eltern, das versuchte, sich anzupassen und nicht aufzufallen. »Inzwischen empfinde ich es als großes Glück, die beiden Kulturen erleben zu dürfen und mit ihnen groß geworden zu sein.« Jetzt darf er mit seinem Film Deutschland repräsentieren.