Die Lage am Ausbildungsmarkt ist dramatisch – das merkt man schon daran, dass alle Seiten klagen. Viele Schulabgänger finden keinen passenden Ausbildungsplatz, stehen ohne Perspektive da. Und die Wirtschaft klagt, dass viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, weil sich keine adäquaten Bewerber finden lassen. Die Diskrepanz ist nicht nur für die Betriebe und die Jugendlichen schmerzhaft: Wenn die Energiewende gelingen soll, dann braucht es mehr Fachkräfte. An deren Ausbildung scheitert Berlin aktuell aber noch.
Kann das Bündnis des Senats, das sich am Mittwoch erstmals getroffen hat, die Rettung bringen? Dass Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften zusammenkommen und sich selbst verbindliche Vorgaben machen, ist für sich genommen schon ein Fortschritt.[1] Der Teufel steckt aber wie so häufig im Detail. Wieso eigentlich 2000 neue Ausbildungsverträge? Nicht dass das nicht ein ambitioniertes Ziel wäre. Aber der Wert erscheint willkürlich. Wächst die Zahl der Jugendlichen im Ausbildungsalter – womit angesichts der steigenden Schülerzahlen und des Zuzugs in unsere Stadt zu rechnen ist –, dann sagt ein Aufwuchs in der absoluten Zahl der Ausbildungsverträge wenig aus. Eigentlich müsste man das Verhältnis von Jugendlichen mit und ohne Ausbildungsplatz in den Blick nehmen, am besten erst ein Jahr nach Ausbildungsbeginn, wenn man davon ausgehen kann, dass sie die Ausbildung auch beenden werden.
Also alles nur Schönfärberei? Zumindest wird die Zahl der Ausbildungsverträge herangezogen und nicht die der Ausbildungsplätze. Denn von Ausbildungsplätzen auf dem Papier, die nicht besetzt werden, hat die Stadtgesellschaft wenig. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass man es den Unternehmen einfacher als nötig macht, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Um eine Ausbildungsplatzumlage, die droht, falls sie die Zielzahl nicht erreichen, könnten die Betriebe so herumkommen. Dabei funktioniert die Umlage: Die Strafzahlungen für Unternehmen, die nicht ausbilden, geben einen Anreiz, neue Ausbildungsplätze zu schaffen – und sich bei vorhandenen Plätzen intensiver um eine Besetzung zu bemühen. Es gibt berechtigte Zweifel, ob freiwillige Verpflichtungen den gleichen Effekt haben. Im schlimmsten Fall droht nach dem Wohnungsbündnis die nächste konzertierte Aktion, die an ihren eigenen Ansprüchen scheitert.[2]