3000 Euro. Pro Tag. So viel Geld hat Berlin im Juli durchschnittlich für Sicherheitspersonal im Kreuzberger Prinzenbad[1] ausgegeben. 91 000 Euro in einem Monat.
Ahhhh. Was soll ich dazu noch schreiben, anstatt nur wütend auf die Tastatur zu hauen? Es ist zum Weinen: Während sich Senat und Bezirke auf dem Sicherheitsgipfel nicht einigen können, wer längere Öffnungszeiten von mobilen Drogenkonsumräumen finanziert, während dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg für die aufsuchende Straßensozialarbeit im Görlitzer Park läppische 100 000 Euro im Jahr zur Verfügung stehen, während soziale Träger von Haushalt zu Haushalt um ihre Mittel bangen müssen[2] und die Politik jeden Cent für die Armen, Kranken, Marginalisierten und Ausgebeuteten zweimal umdreht – während das alles passiert, darf ein städtisches Bad mal eben ein kleines Vermögen für eine Hilfspolizei ausgeben, die am Beckenrand patrouilliert[3], damit Halbstarke sich keine Schwimmnudeln über die Köpfe ziehen.
Immerhin liefert die Nachricht ein perfektes Beispiel dafür, wie hetzerische Debatten keine Debatten bleiben. Sondern wie sie sich materialisieren, zu Geld werden und einer Wirtschaft dienen, die an Angst und Kontrollsucht verdient. Nicht nur das Security-Unternehmen sackt hier das Geld ein, auch die Produzent*innen von Waffen und Ausstattung profitieren. Wie die Sicherheitsindustrie mit Steuergeldern subventioniert wird, wie sie dadurch wiederum noch mehr Ressourcen hat, um für Kontrolle und vermeintliche Sicherheit zu werben – hier lässt sich der Mechanismus antisozialer Umverteilung[4] schön nachvollziehen.
Kotti-Wache, Görli-Zaun und Freibad-Polizei: Der Umbau Berlins in eine Hochsicherheitsmetropole, er hat gerade erst angefangen. Und wer es immer noch nicht verstanden hat: Das Geld wird, natürlich, an anderer Stelle fehlen.