Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck fordert eine »neue Entschlossenheit« in der europäischen Migrationspolitik. In Zeiten des Erstarken rechter Kräfte, die immerzu Hass gegen Flüchtende schüren, dachte der CDUler nicht etwa daran, für einen humaneren Umgang mit Migrant*innen zu plädieren. Nein, Gauck hofft auf eine neue Entschlossenheit zur Abschottung – die Begrenzung von Migration sei moralisch nicht verwerflich und sogar »politisch geboten«.
Nicht nur stellt er sich auf die Seite derer, die in der Zuwanderung von Menschen aus dem Globalen Süden – allein sie sind gemeint – eine Gefahr sehen. Gauck zeigt auch: Er ist fürchterlich ignorant. Denn was Begrenzung in der Realität meint, ist der Tod von Tausenden, die vor Europa ertrinken, weil man ihnen die Rettung verweigert. Es bedeutet tiefe Wunden – physische wie psychische – die Flüchtenden von prügelnden Grenzpolizisten zugefügt werden. Und Hoffnungen auf ein besseres Leben, die in gefängnisartigen Camps im Keim erstickt werden. Doch die Gausck’sche Aussage ist repräsentativ für so viele Deutsche, die sich absurderweise selbst als Opfer der EU-Migrationspolitik wähnen.