Angesichts des grassierenden Lehrkräftemangels ist es eine gute Nachricht, wenn offenbar viele Pädagogen laut des Schulbarometers[1] dazu bereit sind, mehr zu arbeiten. Eine Ausweitung der Arbeitszeit hatte bereits die wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz gefordert und dafür viel Kritik erhalten. Unter anderen wies die Gewerkschaft GEW darauf hin, dass viele Lehrkräfte bewusst in Teilzeit arbeiteten, weil der Schulalltag stressig und belastend sei.
Mit ihrer Einschätzung liegt die GEW offenbar nicht falsch. Denn die Bereitschaft der Lehrkräfte zur Mehrarbeit ist häufig mit einer Kritik am vorherrschenden Deputatsmodell[2] verknüpft. Demnach werden vor allem die Unterrichtsstunden als Arbeitszeit erfasst. Nicht abgedeckt sind Vor- und Nachbereitungszeit oder Korrekturen sowie das Organisieren von Klassenfahrten. Regelmäßig ufert die Arbeit von Lehrkräften aus.
Wenn die Kultusminister nun Lehrkräfte zu einer Aufstockung der Stundenzahl bewegen wollen, sollten sie zuerst die Arbeitsbedingungen verbessern. Ein wichtiger Schritt dabei ist, das Deputatsmodell zu reformieren und die Arbeitszeit genauer zu bemessen.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1176442.lehrkraeftemangel-ausufernde-arbeit.html