Alles, was rechts ist (Teil 3): Liberal-Konservative
Maik Martschinkowsky
Überall lauern die Feinde der Freiheit.
Foto: photocase/markusspiske
Liberal-Konservative sind auch bekannt als: Arch Boomers.
Motto: »Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!«
Weltbild & Ziele: Für die liberal-konservativen – meist Herren – steht fest, dass die Welt eine bessere wäre, wenn man sie einfach machen ließe. Nur werden sie (als völlig unterschätzte Universalgelehrte) leider allerorts von linken Minderheiten unterdrückt und mundtot gemacht. Doch dieser hysterischen Cancel-Culture stellt sich der überzeugte Liberal-Konservative ebenso entschlossen entgegen wie einer zunehmenden Ausgrenzung des Normalen. Denn eine naturgegebene Normalität und die totale Freiheit™ sind ihm das höchste Gut: Jeder soll machen und sagen können, was er will! (»Er« steht hier für den Liberal-Konservativen, Anm. d. Verfassers.) In ihrem heroischen Kampf für die Ware Freiheit™ setzen sich Liberal-Konservative selbstverständlich auch dafür ein, dass die Regierung möglichst wenig in das Leben der steuerzahlenden Bevölkerung eingreift, und verurteilen jede Art von Beschränkung der Wirtschaft. Denn der Staat sollte sich lieber auf das konzentrieren, was ihrer Ansicht nach seine eigentliche Aufgabe ist: nämlich normale Bürgerinnen und Bürger vor gesellschaftlichen Modeerscheinungen (wie Feminismus), wissenschaftlichem Alarmismus (etwa der Klimawandel) und negativen Einflüssen (zum Beispiel Zuwanderung) zu schützen. Nur dann kann sich die Nation in chauvinistischer Konkurrenz der alles regelnde Markt im internationalen Wettbewerb entfalten und schließlich jedem zuteilen, was er verdient.
Erscheinungsbild: Der Liberal-Konservative zeigt sich gern im Casual-Chic-Stil eines Gymnasialdirektors.
Auftreten & Charakter: Liberal-Konservative haben nicht einfach nur eine Meinung. Sie haben – die bessere Meinung. Und diese teilen sie großzügig. Erst recht gegen Widerstand.
Sonstige Merkmale: Große mediale Reichweite (unterdrückt), schnelle Zweitwagen und ein wohlstandssicherndes D-Mark-Vermögen. Eine weitere Besonderheit der Liberal-Konservativen ist, dass sie – nach eigener Angabe – vollkommen frei von jedweder Ideologie sind.
Spezialfähigkeit: Selbstverantwortung auf Kosten der Allgemeinheit.
Strategie: Vermeintliche Bedrohungsszenarien für die Freiheit™ herbeischwafeln und Kritik daran als Cancel-Culture verteufeln.
Wichtigste Medien: »Welt«, »Stern«, »Focus«, »Tichys Einblick«, »Euro am Sonntag« (erscheint freitags), Twitter X sowie Talkrunden im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Einfluss auf einer Skala von1(Minimum) bis 10 (Maximum): 8 (auf sich selbst: 15)
Marschieren gut mit: Bürgerlich-Konservativen, Rechtskonservativen, rechten Parteiopportunist*innen und Besorgten Bürger*innen.
Interne Differenzen mit: Autonomen Nationalisten, Neonazis und Reichsbürgern.
Erzfeinde: Wokeness, Linke, Political Correctness, Genderwahnsinn, Tempolimit, Gendersprache, Cancel Culture, der Sozialstaat, Gendersternchen, Klimawahnsinn, Genderschreibweise, Tugend-Terror, Genderideologie, Hypermoralismus, Linksextremistischesökokommunistenpackmittenaufderstraßehasshasshass, Zwangs-Veganisierung, der Begriff »Gender« und – der Fiskus.
Mögliche Gegenstrategie: Die Redezeit Liberal-Konservativer im öffentlichen Raum konsequent an das Leistungsprinzip koppeln – für jede faktenbasierte Behauptung gibt es zusätzliche Redezeit, für jede faktenferne wird Zeit abgezogen. Dann merken sie es vielleicht irgendwann selber …