nd-aktuell.de / 25.10.2023 / Kommentare / Seite 1

Resonanzverstärker fürs Kapital

Felix Sassmannshausen über billige Industriestromforderungen

Felix Sassmannshausen

Es ist wieder so weit: Nach Jahrzehnten prächtiger Profite folgt nun der Kater und die deutsche Industrie drückt auf die Tränendrüse[1]. Der Katzenjammer, den sie dabei von sich gibt, ist so unglückselig, dass einem die Konzernchefs fast leidtun.

So scheint es auch der mächtigen IG Metall[2] zu gehen, die sonst bei jeder Gelegenheit den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit beschwört. Metall-Vorsitzende Christiane Benner setzte Kanzler Olaf Scholz auf dem Gewerkschaftstag sogar die Pistole auf die Brust und forderte deftige Strompreissubventionen für die energiegefräßige deutsche Industrie[3]. Macht Sinn, die Gewerkschaft hat Angst vor Job- und Mitgliederverlust. Sinn macht auch, dass Beschäftigte nicht die Quittung bezahlen wollen für satte Unternehmensgewinne der Vergangenheit – auch dank günstiger Strompreise und Lohnmäßigung.

Doch gerade darum drängt sich die Frage auf, die im lauten, wehleidigen Klagen der Industrieunternehmer unterzugehen droht: Ist es eigentlich Sache der Gewerkschaften, sich zu Resonanzverstärkern für deutsche Industrieinteressen zu machen?

Links:

  1. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1177211.energiepolitik-industrie-dringt-auf-billigen-strom.html?sstr=kurt%20stenger
  2. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1177225.gewerkschaften-ig-metall-stellt-sich-neu-auf.html?sstr=metall
  3. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1175966.energie-industriestrom-ein-geschenk-an-die-konzerne.html?sstr=deindustrialisierung