Er war der Hoffnungsträger der Sozialdemokraten in Flandern. Als Conner Rousseau 2019 zum Parteivorsitzenden gewählt wurde, war er weitestgehend unbekannt. Innerhalb weniger Jahre reformierte er die Partei, auch die Namensänderung auf »Vooruit« (Voran) war seine Idee. Und die Rechnung ging zunächst auf: Die Umfragewerte, jahrelang miserabel, verbesserten sich auf 20 Prozent, drittstärkste Kraft wäre man damit im niederländischsprachigen Teil Belgiens geworden.
Doch nun hat die steile Karriere des 31-Jährigen ein ebenso plötzliches Ende gefunden – zumindest vorläufig. Rousseau erklärte am Freitagabend vor dem Parteivorstand seinen Rücktritt. Der Grund: Rassistische Ausfälle im betrunkenen Zustand und Vorwürfe gegen ihn wegen sexueller Belästigung. Wie das Portal »belgieninfo.net« berichtet, wurden gegen Rousseau bereits vor einigen Monaten Ermittlungen wegen der Belästigung von drei Männern eingeleitet, die aber ohne Anklage eingestellt wurden.
Das Fass zum Überlaufen brachte nun aber eine rassistische Tirade, die Rousseau in einer Kneipe in seiner Heimatstadt Sint-Niklaas in Ostflandern in offenbar angetrunkenem Zustand von sich gab. Presseberichten zufolge beschimpfte er Roma als »braunes Gesindel«. »Mein Appartementblock ist rassistisch, und ich verstehe die gut«, ist einer der Zitate, die Rousseau eingestanden haben soll. Der Polizei gegenüber soll Rousseau ebenfalls ausfällig geworden sein.
Die Parteigremien wollten eigentlich an Rousseau festhalten, doch er entschied sich offenbar für einen Rückzug: »Die Aufregung um mich lenkt zu sehr vom Wesentlichen und von dem, wofür Vooruit steht, ab«, bemerkte er vor der Presse. Endgültig aus der Politik verabschieden will sich Rousseau aber offenbar nicht. Er hoffe auf »eine zweite Chance«, erklärte er.