Gleich im Klappentextes ihres Buches »Warum Frauen den besseren Fußball spielen«[1] kommt Nia Künzer zur Sache: »Für uns ist der Fußball der Frauen die Mutter des Fußballs. Weniger Kommerz. Weniger Hype. Mehr Familie. Mehr fürs Herz.« Das ist nur eine der provokanten Thesen, die die Weltmeisterin aufstellt. Dennoch gilt die 43-Jährige als ausgeglichene Persönlichkeit, die nicht herumpoltern muss, um Gehör zu finden. Bald besetzt sie nun ein Amt, das ihr viel Gestaltungsspielraum gibt: Künzer wird ab 1. Januar nächsten Jahres Sportdirektorin beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), zuständig für die Frauen-Nationalmannschaft und die U20.
Dem DFB dürfte die Personalie gut zu Gesicht stehen: Die Tochter eines Entwicklungshelferpaars, geboren in Botswana, beheimatet in Wetzlar, gilt als integre Persönlichkeit mit großer Glaubwürdigkeit. Und sie bringt Blickwinkel als Fußballerin, als Fernsehexpertin und als Führungskraft ein.
Das Golden Goal vor 20 Jahren, als die Offensivspielerin vom 1. FFC Frankfurt nach ihrem dritten Kreuzbandriss das WM-Finale[2] gegen Schweden entschied, hat ihr einen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern[3] beschert. 17 Jahre hat sie für die ARD danach die wichtigsten Ereignisse im deutschen Frauenfußball begleitet und zum Abschied nach dem WM-Debakel der DFB-Frauen unter Martina Voss-Tecklenburg den Finger noch mal tief in die Wunde gelegt: »Viele sprechen davon, dass es keinen Plan B gab. Mir kam es eher so vor, als hätte es keinen Plan A gegeben.«
Im Hauptberuf arbeitete die Pädagogin und zweifache Mutter längst woanders: Als Dezernatsleiterin für Integration, Sozialbetreuung und Ehrenamt beim Regierungspräsidium Gießen hatte sie Personalverantwortung für 40 Mitarbeiter. DFB-Präsident Präsident Bernd Neuendorf setzt große Hoffnungen in Nia Künzer: »Ihr kritischer Blick, die Fähigkeit, auch andere Perspektiven einzubringen, ihre hohe soziale Kompetenz und ihr profundes Fußballwissen werden uns in diesem für den DFB hoch priorisierten Bereich voranbringen.«