Ein Wolfsland ist Nordrhein-Westfalen wirklich nicht. Gerade einmal ein Prozent[1] der Wölfe in Deutschland leben dort. Für viele Wölfe[2] ist NRW nur eine Durchgangsstation. Nicht so für die Wölfin mit der Identifikationsnummer GW 954f, die besser als Gloria bekannt ist. Glorias Revier liegt im Nordwesten des Ruhrgebiets und am Niederrhein. Sie ist seit 2018 bekannt, hat auch Nachwuchs. Und Gloria soll bislang kein Zaun zu hoch gewesen sein, wenn sie auf der Suche nach Futter ist. Das ist ein Problem.
Auf Glorias Konto sollen laut dem Kreis Wesel, der für sie zuständig ist, mehr als 160 Risse gehen. 17 weitere werden vermutet. Im Oktober soll Gloria sechs Schafe gerissen und dabei als sicher geltende 1,20 Meter hohe Elektrozäune überwunden haben. Deswegen wurde kürzlich eine Erlaubnis zur »Entnahme«, also zum Abschuss von Gloria erteilt. Gegen die Allgemeinverfügung zum Abschuss haben mehrere Umweltverbände[3] eine Klage eingereicht. Sie argumentieren, die Verfügung sei in mehreren Punkten fehlerhaft. Außerdem sei Gloria das einzige weibliche Tier in der Region, das sich fortpflanze. Ein Abschuss sei also populationsgefährdend. Aufgrund der Klage verfügte das Düsseldorfer Verwaltungsgericht, dass Gloria erstmal nicht[4] abgeschossen werden darf. In den kommenden Wochen soll das Eilverfahren entschieden werden.
Wer Gloria möglicherweise »entnehmen« wird, ist hingegen unklar. Die Kreisjägerschaft Wesel hat gegenüber dem WDR[5] angekündigt, sich nicht an einer Jagd beteiligen zu wollen. Man finde diese zwar zielführend, sieht aber rechtliche Probleme. Auch das Regionalforstamt fühlt sich nicht zuständig. Wölfe stehen unter Naturschutz, heißt es von dort. Sie zu jagen sei also Aufgabe der unteren Naturschutzbehörde bzw. des Umweltministeriums. Vielleicht beherzigt man nun auch den Vorschlag der Umweltschützer*innen und investiert mehr in besseren Herdenschutz[6].
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1178797.personalie-gloria-die-boese-woelfin.html