Eigentlich hatte er Schluss gemacht mit Parteipolitik. »Ich habe nicht vor, mich in absehbarer Zeit in einer anderen politischen Formation zu engagieren«, schrieb Fabio De Masi im September 2022, als er seinen Linkspartei-Austritt[1] erklärte, deren Führung er »eklatantes Versagen« vorwarf, weil sie sich nicht überzeugend für soziale Gerechtigkeit und Diplomatie einsetze. Doch nun, ein reichliches Jahr später, kommt es anders. Der 43-Jährige wird beim Bündnis Sahra Wagenknecht[2] (BSW) aktiv. Das stellt sich kommenden Montag als neu konstituierte Partei vor, und De Masi wird beim Pressetermin mit auf dem Podium sitzen. Was darauf hindeutet, dass er bei der Europa-Kandidatur[3] eine maßgebliche Rolle spielen dürfte. Insofern war sein Abschied keiner von der Politik, sondern eben nur von der Linken.
Mit De Masi holt sich Wagenknecht ein echtes politisches Schwergewicht an Bord, zu dem sie seit Langem eine Verbindung hat. Er war ihr Mitarbeiter im Bundestag, er gehörte neben ihr zu den Organisatoren der Aufstehen-Bewegung, er sprang ihr polemisch und angriffslustig in der erregten innerlinken Migrationsdebatte bei. Seit 2014 selbst Abgeordneter – erst im Europaparlament, dann im Bundestag –, erarbeitete er sich zielstrebig einen exzellenten Ruf als Finanzpolitiker. Vor allem im Bereich der Wirtschafts-, Finanz- und Steuerkriminalität ist er ein gefragter Experte; kaum jemand ist so hartnäckig-kritisch am Wirecard-Skandal[4] dran wie De Masi, kaum jemand piesackt Bundeskanzler Olaf Scholz so kompetent und medienträchtig in der Cum-Ex-Affäre[5]. Kein Wunder, dass Wagenknecht den Mann, der sich nach seiner Abgeordnetenzeit als »Finanzdetektiv« bezeichnet, unbedingt dabei haben will.