Ein Dozent an der Humboldt-Universität, dem sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde, akzeptiert seine Kündigung. Im Gegenzug wird er unter Weiterzahlung seines Gehalts bis zum Juni formal an der Universität beschäftigt bleiben. In dieser Zeit wird er allerdings freigestellt. Das ist das Ergebnis eines Vergleichs, den der Dozent und die HU am Dienstag vor dem Arbeitsgericht schlossen. In einer Pressemitteilung gibt die HU an, »dass sie diesen Vergleich nur eingeht, um es den Zeuginnen und Zeugen zu ersparen, im Rahmen einer etwaigen Aussage vor Gericht erneut mit den belastenden Sachverhalten konfrontiert zu werden.«
Dem Dozenten am Institut für Geschichte war im vergangenen August außerordentlich gekündigt worden. Dagegen hatte er Berufung eingelegt. Seitdem war er von seinen Tätigkeiten freigestellt[1]. Strafrechtliche Ermittlungen der Polizei wegen sexueller Belästigung und Beleidigung waren eingestellt worden.
Zuvor hatten »nd« und andere Medien berichtet, dass Studierende schwere Vorwürfe gegen den Dozenten erhoben[2] hatten. Der Dozent, der seit etwa 30 Jahren an der HU lehrt, soll jahrzehntelang immer wieder mit unangemessenem Verhalten aufgefallen sein. In Lehrveranstaltungen soll er gegenüber Studentinnen anzügliche Bemerkungen gemacht haben. Andere soll der Geschichtsdozent, so die Vorwürfe, gegen ihren Willen berührt haben[3].
Gegen den Dozenten liefen intern immer wieder Beschwerdeverfahren, insgesamt dreimal wurde er abgemahnt. Zuletzt bestimmte die HU, dass der Dozent keine Sprechstunden unter vier Augen mehr anbieten durfte. Stattdessen musste immer auch die Frauenbeauftragte der Fakultät anwesend sein.
Über den Vergleich zeigten sich HU-Vertreter erleichtert. »Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Dozenten ist nicht zumutbar«, sagte Julia von Blumenthal, die Präsidentin der HU. »Der Schutz der Studierenden und Mitarbeitenden war für den Abschluss des Vergleichs ausschlaggebend.« Dass man heutzutage entschiedener gegen Fehlverhalten vorgehe, sei Teil eines gesellschaftlichen Kulturwandels. »Die Humboldt-Universität wird alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um Betroffene zu schützen«, so Blumenthal. In der Pressemitteilung entschuldigt sich die HU allerdings auch nicht dafür, dass der Dozent so lang im Amt bleiben konnte.
Der Dozent selbst hatte sich öffentlich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Im Verfahren vor dem Arbeitsgericht soll er angegeben haben, sich im Umgang mit Studentinnen »immer korrekt« verhalten zu haben, und jedes Fehlverhalten abgestritten haben, berichtet der »Spiegel«.
Antje Bahnik und Susanne Plaumann, Sprecherinnen der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Berliner Hochschulen, fordern auf nd-Anfrage, »bestehende Schutzlücken zum Thema sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt in den Gesetzen und internen Richtlinien der Hochschulen zu schließen und eine Kultur zu etablieren, in der ein Nein ohne Angst vor Konsequenzen gesagt werden kann«. Die Frauenbeauftragten begrüßten es, dass es an den Berliner Hochschulen inzwischen eine höhere Sensibilität für sexualisierte Belästigung gebe. Erste Fortschritte gebe es bereits: So hätten die Hochschulen ihre Beschwerdestrukturen verbessert und die Kommunikation zu Beratungsangeboten verstärkt.
Weiterhin offen ist das HU-interne Disziplinarverfahren gegen einen Geschichtsprofessor, dem sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden[4]. Er soll sich gegenüber Mitarbeiterinnen und Doktorandinnen aufdringlich verhalten haben. In einem Buchbeitrag warf ihm eine Wissenschaftlerin vor, sie gegen ihren Willen geküsst zu haben. Auch in diesem Fall waren die Vorwürfe über Jahre bekannt, bis die Universität Schritte ergriff.