Wie unverstanden ist der Penis? Oft ist er nur eine Witzvorlage. Mit ihm wird sich abstrakt als Symbol männlicher Herrschaft beschäftigt und konkret meist nur, wenn er nicht »funktioniert«. 2022 hieß es im »Zeit Magazin«, das Verhältnis der Männer zu ihrem Körper und besonders zu ihrem »verkannten Organ« sei »zerrüttet«[1].
Susann Rehlein konstatiert, dass allgemein »ein Selbstbildnis gefördert wird, das auf Leistung und Standfestigkeit basiert und nicht gesund für Männer ist«. In ihrer warmherzigen Penisfibel »Der Phallushügel«, die in der stets interessanten Reihe »Maro-Hefte[2]« erschienen ist, plädiert die Berliner Sexkolumnistin für mehr Entspannung, denn »der Penis ist zart und schön«. Dieser »begabte Gestaltwandler« sei beim Sex auch nur »ein Körperteil und eine Möglichkeit unter vielen«, weshalb sie fordert: »Nutzen wir doch den ganzen Körper für das Installieren einer neuen, nonbinären Sexpraxis[3]. Auf zum lustvollen Gerangel mit offenem Ausgang!« Da gelte die Grundregel: »Ohne Eingestehen von Unsicherheit keine Intimität, ohne Intimität (…) kein guter Sex.«
Aber wenn man nicht darüber redet, läuft nicht so viel. Das merkt auch der Penis, diese »ziemlich sensible Antenne«. Also reden, üben, Beckenboden trainieren und auch die Prostata nicht vergessen. Kennen Sie den Begriff Circlusion? Schon mal von weicher Penetration gehört? Gibt es alles auf diesem »Phallushügel« – so haben Susann Rehlein und die Illustratorin Katja Schwalenberg »einen Ort der Liebe« getauft, der weder Vorspiel noch Sex sein soll, sondern »ein anderes Genre« ohne Leistungsdruck und Krampf. Rehlein findet den »Halbsteifen« am schönsten, denn »ein Halbsteifer ist immer der Anfang einer Geschichte.«
Susann Rehlein: Der Phallushügel. Ein liebevolles Heft über den Penis. Illustr. v. Katja Schwalenberg. Maro-Verlag, 36 S., br., 16 €.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1180087.koerpererfahrung-lieber-penis-wie-geht-es-dir.html