An diesem Freitag bekommt der Berliner Filmregisseur Lothar Lambert[1] in der Volksbühne im Rahmen der Berlinale den Special Teddy Award verliehen – für sein Lebenswerk. Den Preis für queeres Kino gibt es seit 1987, Lambert dreht seit Beginn der 70er Jahre Filme: völlig autonom, abseits der Förder- und Fernsehprogramme, mit Witz, Wahn und vielen Wundertüten, denn seine Schauspieler*innen sind fast alle Laiendarsteller*innen oder Semiprofis. Sie wollen gesehen werden, und er will sie zeigen – erst in Spielfilmen, die er sich ausdachte (»Die Alptraumfrau«, »Fucking City«, »Du Elvis, ich Monroe«, »Drama in Blond«), und dann auch in Dokumentarfilmen über seine Schauspieler*innen (»Küss die Kamera!«, »As Showtime goes by«, »Alle meine Stehaufmännchen«, »Erika, mein Superstar«). Im vergangenen Herbst lief »Stellenweise superscharf«[2] sein insgesamt 41. Film.
Lambert begann zu einer Zeit, als Rosa von Praunheim[3] noch die Parole ausgeben musste: »Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.« Andere gründeten Aktionsgruppen, er machte Filme, in denen er es krachen ließ. Denn bei ihm war alles in the Mix: Schwule, Lesben, Heteros, Migranten, Bürgerliche, Prolos krachten in verschiedenen Konstellationen und Situationen aufeinander; es gab Lässige, Verklemmte, Selbstbewusste, Schüchterne und Kokette, die ganze Palette.
Das waren keine Kunstcollagen oder Thesenarbeiten, sondern richtige Filme mit atemberaubenden Geschichten und Gefühlen. Immer ging es um Ängste, Sehnsüchte und Versuche der Befreiung, die komisch sein konnten oder katastrophisch oder beides. Mit vielen Scherzen über die Familie als solche und die Psychologie als Beruf. Oft wirken die Lambert-Filme so, als würde man direkt ins Wohnzimmer seiner Nachbarn schauen.
»Na, was bringt einen denn zum Ticken oder Klicken oder wie man sagt, in Bewegung?«, fragt Lothar Lambert. »Das ist einmal Sexualität, das sind die existenziellen Probleme, die zwischenmenschlichen Geschichten. Was ist denn sonst noch? Es sei denn, man macht ein Märchen oder einen Krimi.« Gedreht im Alltäglichen, günstig und geschickt: Teilweise integriert Lambert seine alten Filme in seine neuen, damit sichert er auch seinen gescheiterten Projekten eine Zukunft, denn er ist sehr ökonomisch und ökologisch. Bevor er etwas wegschmeisst, wartet er auf eine neue Idee, die nicht alles verändern wird, aber vieles, ganz bestimmt!
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1180245.queeres-kino-teddy-award-ticken-und-klicken.html