Berlin. In der Bundesrepublik haben Werktätige angesichts des Fachkräftemangels derzeit verhältnismäßig gute Chancen, für sich bessere Arbeitsbedingungen zu erstreiten – oder durch Jobwechsel zu erlangen. Unternehmen, die verkürzte und flexible Arbeitszeiten bieten, sind in der Konkurrenz um Personal hierzulande klar im Vorteil. Und so ist der Tag der Arbeit gerade aktuell hierzulande nicht nur Kampftag[1], sondern für viele Arbeitende durchaus auch Anlass zum Feiern. Wenn sie nicht gerade von Stellenabbau bei Konzernen wie ThyssenKrupp[2], Galeria Karstadt-Kaufhof oder Tesla betroffen sind.
In den meisten Ländern der Welt ist die Lage der arbeitenden Klasse schlechter als in der Bundesrepublik. Aber auch in Deutschland gibt es Menschen, die extrem ausgebeutet werden und keine Interessenvertretung haben. Gerade Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis sind zudem in Gefahr, in extreme Abhängigkeit von Unternehmern zu geraten.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen hat zum 1. Mai in diesem Jahr an jene erinnert, die unter sklavereiähnlichen Verhältnissen schuften müssen. Weltweit betrifft dies nach ILO-Schätzungen um die 40 Millionen Menschen. Und der illegale Profit, den Unternehmen mit dieser verschärften Ausbeutung machen, wird von der Organisation auf 236 Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt.
Menschen, die auf brasilianischen Orangenplantagen, beim gefährlichen Recycling von Stahl aus Schiffswracks in Bangladesh oder auf griechischen Feldern unter unwürdigen Bedingungen leben und arbeiten müssen, haben in der Regel keinen Zugang zu gewerkschaftlichem oder arbeitsrechtlichem Schutz. Und staatliche Kontrollorgane sind in solchen Ländern vielfach personell unzureichend aufgestellt, um extremer Ausbeutung einen Riegel vorschieben zu können.
Derweil versucht die FDP aktuell, die Umsetzung des seit Jahresbeginn geltenden deutschen Lieferkettengesetzes zu blockieren und seine Regelungen abzuschwächen, sodass sie denen auf EU-Ebene entsprechen. Auch das ist ein Angriff auf die Rechte von Beschäftigten etwa der Textilindustrie in Südostasien.
Diese wie auch viele andere Arbeiter*innen weltweit leiden zudem zunehmend unter den Folgen des Klimawandels. Für 70 Prozent aller Arbeitskräfte global bringt das zusätzliche Sicherheits- und Gesundheitsgefahren, heißt es in einem kürzlich von der ILO vorgelegten Bericht. Und schon jetzt seien international 2,4 Milliarden der insgesamt 3,4 Milliarden Beschäftigten im Job oft übermäßiger Hitze ausgesetzt sind; besonders jene, die unter freiem Himmel arbeiten. Fast 19 000 Menschen kämen jedes Jahr wegen übermäßiger Hitze bei der Arbeit ums Leben, schätzt die Organisation. Für Gewerkschaften wie Politik ergeben sich auch hieraus neue Verpflichtungen. nd