Mit der Gesundheit sieht es bei den Juden meist gut aus. Allerdings nur, solang sie nicht krank sind. Deshalb sagt man auch: gesint wi a goj (gesund wie ein Nichtjude). Und selbst solang sie noch nicht krank sind, können sie immer noch später krank werden.
Außerdem muss man zum Krankwerden vorher nicht unbedingt gesund sein, denn sonst wäre man zumindest immer schon ein wenig gesund gewesen, bevor man krank wird. Und ein wenig gesund gewesen zu sein, das ist schon viel, auch wenn es eben nur wenig ist.
Zum Gesundwerden dagegen muss man vorher immer schon krank gewesen sein, was mindestens ebenso schade ist, wie es umgekehrt nicht wäre. Könnte man zum Gesundwerden nämlich vorher schon gesund sein, dann bräuchte man einfach nur immerfort gesund zu bleiben.
Wenn man aber nicht gesund bleibt, dann wird man nicht etwa ungesund, sondern krank. Oj wej! Wäre ich doch nur etwas weniger krank, als ich schon nicht mehr gesund bin!
»Kohn, Sie müssen aufpassen auf Ihre Gesundheit!«
»Nu, mit dem gleichen Erfolg kann ich aufpassen auf Rotschilds Geld!«
Wenn man nicht mehr gesund ist, dann ist man, wie gesagt, nicht ungesund, sondern krank. Krank ist man für sich selbst, ungesund dagegen ist man für andere. Obwohl man selbst manchmal auch für sich ungesund ist, aber dagegen kann man nicht viel ausrichten.
Da will man immerhin einmal krank sein für die anderen, während man gleichzeitig gesund bleibt für sich selbst. Allerdings ist man oft nicht einmal krank für sich selbst – was man gern wäre, weil die anderen für einen selbst ungesund sind. Man ist nicht einmal krank für sich selbst, weil ständig jemand kommt und will, dass du nicht mehr krank seist: Gesint dir ojf dajn koppele! (Gesundheit auf deinen Kopf!) – da weiß man nicht, ob das ein Wunsch ist oder eine Drohung.
Ständig will jemand, dass du nicht mehr krank seist, sodass du fast schon lieber deshalb gern gesund wärst, damit man dir nicht mehr sagst, du solltest wieder gesund werden, als du überhaupt noch deshalb gern gesund wärst, weil du eben krank bist.
Dennoch ist gesund sein, wie gesagt, die Hauptsache, und sogar wie noch nicht gesagt, nämlich auf Jiddisch. Auf Jiddisch gesagt: Abi gesint! – Hauptsache gesund!
»Mojsche, stell dir vor, der Itzik hat sein ganzes Geld verloren, und jetzt ist er ganz arm!«
»Arm? Meinetwegen! Abi gesint …«
»Mojsche, stell dir vor, jetzt leidet der Itzik Not und ist nur noch hungrig!«
»Hungrig? Meinetwegen! Abi gesint …«
»Mojsche, hast du es gehört, der Itzik, der ist an Hunger gestorben, und jetzt ist er ganz tot!«
»Tot? Meinetwegen. Abi gesint …«
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1182263.juedisches-leben-ezzes-von-estis-abi-gesint.html