Der stellvertretende Leiter eines Zentrums für Antisemitismusforschung wird Beauftragter für Antisemitismus an einer Universität – eigentlich sollte das eine willkommene Nachricht sein. Eigentlich. Die Bekanntgabe der Technischen Universität Berlin, dass der Historiker Uffa Jensen diese Position übernehmen wird, sorgte aber für harsche Kritik.
Grund dafür ist vor allem sein Verständnis von Judenfeindlichkeit[1]. Jensen gehört zu den Erstunterzeichnern der Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus, die sich als Alternative zur Arbeitsdefinitition zum Antisemitismus[2] der Internationalen Allianz zum Holocausgedenken (IHRA) versteht. In der Jerusalemer Erklärung wird der IHRA-Ansatz kritisiert, Kritik am Staat Israel und am Antizionismus in den meisten Fällen als antisemitisch anzusehen.
Der Zentralrat der Juden, der die IHRA-Definition vertritt – genau wie 43 Länder, darunter Deutschland, und zahlreiche nichtstaatliche Organisationen –, nannte die Ernennung Jensens eine »große Enttäuschung«. Bereits im Januar kritisierte Remko Leemhuis, Direktor des American Jewish Committee (AJC) Berlin, dass Jensen den islamischen Judenhass[3] nicht ausreichend berücksichtige.
Die TU Berlin wies die Kritik zurück. Jensen sei ein renommierter Antisemitismusforscher und habe sich sein akademisches Leben lang mit deutsch-jüdischer Geschichte beschäftigt. Er werde ein Team von jüdischen und nichtjüdischen TU-Angehörigen zusammenstellen, dass ihn bei seiner Arbeit unterstützen werde.
Uffa Jensen, 1969 geboren, promovierte zur Geschichte des Antisemitismus und arbeitet seit 2017 am Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung. Zuletzt forschte er zu antisemitischen Bildern. 2022 erschien von ihm das Buch »Ein antisemitischer Doppelmord«, in dem er den Umgang der deutschen Behörden an der Ermordung des Rabbiners und Antifaschisten Shlomo Lewin und seiner Lebensgefährtin Frida Poeschke im Jahr 1980 und den Umgang der Strafverfolgungsbehörden mit dem Fall.