Für Sabrina Wittmann ging beim FC Ingolstadt gerade ein Wunsch in Erfüllung. Als sie beim Fußball-Drittligisten zum Ende der jüngst abgeschlossenen Saison Interimstrainerin wurde, hatte die 32-Jährige gehofft, »dass es nicht bloß ein kurzes Abenteuer bleibt«. Nun ist sie Cheftrainerin. Und deshalb darf man Wittmann auch als Wunschlösung für den gesamten deutschen Fußball beschreiben: Als erste Frau führt sie ein Männerteam im Profibereich.
Ein deutsches Phänomen ist dieser späte und längst überfällige Tabubruch[1] jedoch keineswegs: Als Pionierin Carolina Morace 1999 den italienischen Drittligisten Viterbese Calcio übernahm, war davon sogar im »Time Magazine« zu lesen. In Frankreich coachte Corinne Diacre drei Jahre den französischen Zweitligaverein Clermont Foot. Hannah Dingley schaffte es in England bei den Forest Green Rovers in die vierte Liga. Die vierte Frau in Europa ist Wittmann.
Wie rückständig der Fußball der Männer ist, zeigen viele Beispiele, unter anderem der Umgang mit Homosexualität[2]. Die Frauen sind nicht das Problem. In Ingolstadt ist Wittmann als Kind der oberbayerischen Stadt nun die Zukunft. Früher spielte sie für ihren Verein und trainierte die männliche A-Jugend. Als Interimschefin verlor sie mit dem Drittligateam im Mai dann keines ihrer vier Spiele und führte den FC Ingolstadt mit dem erstmaligen Sieg im Landespokal in den DFB-Pokal. In der kommenden Saison heißt das Ziel Aufstieg in die 2. Bundesliga. Und dafür bringe Wittmann »das beste Gesamtpaket für die Trainerposition mit«, erklärte Sportdirektor Ivo Grlic. Geschäftsführer Dietmar Beiersdorfer lobte ihre »Fähigkeit, junge Spieler zu fördern und Mannschaften nachhaltig zu entwickeln«.