»Es ist ein Trauerspiel, dass ein Strandbesuch ein Protestakt werden muss«, beklagt die Bewegung Mallorca Platja Tour (Mallorca-Strand-Tour). Am Sonntag folgten 300 Bewohner dem Aufruf der Gruppe, der da lautet: »Besetzen wir unsere Strände!« Ort des Geschehens war die Bucht Caló des Moro bei Santanyí im Südosten der Insel – der ehemals idyllische Badestrand ist mittlerweile Ziel des Massentourismus und eine der von Instagrammern am meisten fotografierten Buchten.
Die Aktionen sind eine Reaktion auf die Aussage der Parlamentssprecherin Manuela Cañadas der rechtsextremen Vox-Partei, die die konservative Regionalregierung stützt. Die Politikerin sagte den Inselbewohnern, sie dürften nicht darauf hoffen, die Strände wie früher in Ruhe genießen zu können. Um tausenden Urlaubern zuvorzukommen, die auch die Caló des Moro längst überrennen, hatten sich die Aktivisten schon morgens um acht Uhr versammelt, um sich ein Bad gönnen zu können. »Später wäre es unmöglich gewesen, dann hätten auch wir Schlange stehen müssen«, erklärte einer der Aktivisten, die Flugblätter an die Touristen verteilten. Auch seine Personalien wurden später von herbeigeilten Beamten der paramilitärischen Guardia Civil festgestellt. Diese löste die Aktion vorzeitig auf, da sie nicht genehmigt war und Parolen gerufen wurden. Die Aktivisten sehen sich nun Geldstrafen nach dem sogenannten Maulkorbgesetz ausgesetzt. Zwar hatte die sozialdemokratische Zentralregierung in Madrid versprochen, das von den Rechten eingeführte Gesetz für nichtig zu erklären, doch das wurde in fünf Jahren nicht eingelöst.
Einschüchtern lassen will man sich nicht. »Wir haben Caló des Moro zurückgewonnen. Es war magisch«, twitterte Mallorca Platja Tour. Die Gruppe ruft dazu auf, »jeden einzelnen Strand der Insel zurückzugewinnen«.
Die Parole »Tourist, go home!« findet man immer öfter an Hauswänden in besonders belasteten Gebieten oder Städten auf Mallorca. Den Organisatoren des Protests in der Caló des Moro gefällt das nicht: Man richte sich gegen niemanden, wolle vor allem auf die fatalen Auswirkungen des Massentourismus hinweisen, heißt es. Dazu gehöre, dass in der Bucht oft kein Platz mehr sei und angrenzende Wohngebiete mit Autos verstopft seien. Sogar der Sand schwinde, da jeder Besucher einen Teil am Körper oder im Handtuch wegträgt.
Vielerorts in Spanien treten aus Sicht der Kritiker die negativen Folgen des Massentourismus immer deutlicher zu Tage: Wohnungsnot, Müllberge und Wasserknappheit. Zwar schafft er viele Arbeitsplätze, doch das oft nur als befristete und prekäre Beschäftigung. Von den Löhnen könne man nicht einmal die explodierten Mieten bezahlen. Auch mit großen Demonstrationen wurde schon auf die Probleme aufmerksam gemacht: Ende Mai demonstrierten in Palma etwa 25 000 Menschen unter dem Motto: »Mallorca steht nicht zum Verkauf.« Auf den Kanarischen Inseln waren im April viele Menschen auf die Straße gegangen.
Auch in der katalanischen Metropole Barcelona formiert sich starker Widerstand. Hier rufen 80 Initiativen für Anfang Juli zu einer Großdemonstration auf. Das Motto: »Es reicht. Setzen wir dem Tourismus Grenzen.«