»Es ist CSD in Sonneberg und die AfD empört / Überall ist Party, weil den Landrat unsere Party stört«: Was vor einem Jahr noch Rapzeilen waren, wird am Samstag Realität: der erste CSD im thüringischen Sonneberg – der Stadt mit dem ersten AfD-Landrat[1].
Die Zeilen stammen von Maurice Conrad: Softwareentwickler, Politiker und Aktivist aus Rheinland-Pfalz. Ach ja – und Rapper. Der Song »CSD in Sonneberg« war für die Aktiven vor Ort ein »Stein des Anstoßes«, erklären die Organisator*innen[2] dem »nd«.
Conrad, Jahrgang 2000, identifiziert sich als non-binär und nutzt deshalb nicht die Pronomen »sie« oder »er«, sondern »dey« beziehungsweise »deren«. Mit Blick auf Sonneberg beließ es dey nicht beim Sprechgesang: Conrad unterstützt den CSD mit Social-Media-Aufrufen und ist in engem Kontakt mit den Organisator*innen. In einer »Taz«-Kolumne[3] – auch das macht Conrad noch – beschreibt dey die Hürden eines CSDs in einer AfD-Hochburg.
Conrads politisches Engagement begann während der Schule bei dem Seenotrettungsbündnis Seebrücke. Anschließend half dey dabei, die Fridays-for-Future-Bewegung in Rheinland-Pfalz aufzubauen. Seit 2019 sitzt Conrad im Mainzer Stadtrat, 2023 schloss dey sich den Grünen an.
Im selben Jahr begann Conrads Rap-Karriere. Die Songs handeln von queeren Themen und haben Titel wie: »Männersex« oder »Homosexuell«. In der Rapszene ist man damit ein Außenseiter. Schwulenfeindlichkeit? Da war doch was: »Der Landrat guckt mich böse an«, textet Conrad in dem CSD-Song. »Neben mir ein schöner Mann / Er will nicht, dass ein Mann einen Mann heiraten kann.«